Im Finanzbereich ist die Qualität der Informationen ein Vorteil, die Quantität ein Risiko
Behavioral Finance
Verfasst von MoneyController am 12.05.2023
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Durch das Internet sind Informationen so leicht zugänglich wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit. Wenn es sich jedoch um spezialisierte Bereiche wie Finanzen handelt, kann dies zu Nachteilen führen (die auch von der Behavioral Finance untersucht werden), die dazu führen können, dass Menschen kostspielige Entscheidungen für ihre Portfolios treffen. Spencer Jakab schreibt dazu im Wall Street Journal.
Informationen im Finanzbereich bergen Risiken, insbesondere das Risiko, übermäßiges Vertrauen in das eigene Wissen zu entwickeln, was eine kognitive Verzerrung darstellt. Dieses Problem hat sich in den letzten zwanzig Jahren durch die zunehmende Verfügbarkeit von Informationen, die praktisch kostenlos sind, noch verschärft. Das Problem liegt natürlich nicht in einem absoluten Mangel an qualitativ hochwertigen Informationen, sondern - wie im Finanzbereich - in der mangelnden Fähigkeit der Sparer/Investoren, qualitativ hochwertige Informationen auszuwählen.
Hinzu kommt natürlich das Angebot von Do-it-yourself-Investmentprogrammen, die das Investieren zu einer Tätigkeit machen, die mit einem Videospiel vergleichbar ist, obwohl Investieren auch bedeutet, sich sehr hohen Geldverlusten auszusetzen. Unter diesem Gesichtspunkt, so Jakab, besteht die Gefahr, dass der ständige Zugang zu Anlageprogrammen eine weitere gefährliche kognitive Verzerrung fördert, nämlich die kurzsichtige Verlustaversion: Da Verluste stärkere Emotionen hervorrufen als Gewinne, neigen nicht-professionelle Händler dazu, Verluste leichter zu verkaufen als Gewinne, was zu mehr Transaktionen führt, die auch mit Kosten verbunden sind.
Dieses Verhalten lässt sich durch die Funktionsweise unseres Gehirns erklären. Von Natur aus neigen wir dazu, nach Informationen zu suchen, die unsere Überzeugungen bestätigen. Der Grund dafür ist, dass es kognitiv anspruchsvoller ist, seine Meinung zu ändern, als sich bestätigen zu lassen. In der Behavioral Finance wird dieses Verhalten als 'Confirmation Bias' bezeichnet. Dabei handelt es sich um einen Mechanismus, der dazu führt, dass viele Netzwerknutzer - und damit auch viele Sparer/Investoren - jene Netzwerkumgebungen bevorzugen, die ihre Ideen tendenziell bestätigen (Soziologen sprechen in diesem Zusammenhang von 'Blasen' und 'Echokammern').
Leigh Drogen, Gründer von Estimize, einem Unternehmen für Datenanalyse, weist darauf hin, dass es besser ist, sich konsequent auf eine begrenzte Anzahl von Informationen zu konzentrieren, als in aller Eile so viele Daten wie möglich zu sammeln, ohne die Zeit zu haben, sie kohärent zu analysieren.
Siehe auch:
Portfoliorisiko – Wie Sie das Risiko Ihres Anlageportfolios messen und steuern können