Staatsanleihen und Zinsen

Sind die Stunden der Niedrigzinsen gezählt?

Verfasst von MoneyController am 08.06.2021

Der Portfoliomanager und Globale Investmentstratege Robert M. Almeida von MFS Investment Management hat einen interessanten Artikel im Branchenmagazin Cash.online veröffentlicht. In dem Artikel spekuliert der Marktexperte, dass die Zeit gekommen sei, sich auf den Abschied von den Null-Zinsen vorzubereiten. Was bedeutet das in groben Zügen für die Finanzmärkte?

Ein wichtiger Teil der Weltwirtschaft läuft bereits wieder an. Insbesondere die Daten zur Erholung in den USA sprechen für sich: Wir stehen vor einer V-förmigen Erholung. Angesichts einer sich erholenden Wirtschaft beginnen die Gründe, die die Federal Reserve dazu veranlassten, die Zinsen auf ein Minimum zu senken, allmählich zu verblassen. Der Grund für die Zinssenkung der US-Notenbank im Jahr 2020 war tatsächlich die Abwendung einer Kreditkrise.

Eine der Folgen des negativen Realzinses auf zehnjährige Staatsanleihen war ein außergewöhnlicher Anstieg des Aktienmarktes. Es überrascht nicht, dass die Anleger keineswegs die Absicht hatten, ihre Ersparnisse schrumpfen zu sehen, sondern eher das Gegenteil. Aber das ist nicht der einzige Grund für den beispiellosen Liquiditätszufluss in den Aktienmarkt. Tatsächlich wirkt sich die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen auch direkt auf den Aktienmarkt aus. Wie Almeida betont, sei die Voraussetzung für den Kapitalmarkt, dass diese reale, wenn auch minimale, Rendite existiere. Sie habe nämlich die wichtige Funktion eines Referenzmaßstabs für Investoren. Doch angesichts eines Negativzinses hat sich der Aktienmarkt wie in einem Drehbuch verhalten: Ohne den Anker einer Mindestrendite ist er ungebremst gestiegen.

Damit kommen wir zum zentralen Punkt von Almeidas Analyse: Risikoreichere Aktien werden weder gegen eine steigende Inflation noch gegen einen Zinsanstieg etwas ausrichten können. Tatsächlich besteht eine negative Korrelation zwischen der Zinsrendite und dem Kurs solcher Aktien. Und wie der Stratege und Portfoliomanager erklärt, sei das kein Zufall. Im Gegenteil, es handele sich um eine Ursache-Wirkung-Beziehung: Die Zinsen verändern direkt den Kurs der Aktien.

Die Inflation ist derweil auf dem Vormarsch: Sie betraf zunächst einige spezifische Warengruppen wie Holz, Halbleiter und Automobile. Jetzt sind die Rohstoffe, die Mietwagen, die Ferienhäuser und der Wohnungsmarkt im Allgemeinen an der Reihe. Dieser inflationäre Druck werde aber gleichwohl vorübergehen: Laut Almeida werden die großen deflationären Kräfte unserer Zeit, nämlich die Tendenz zur Staatsverschuldung, eine alternde Bevölkerung und die Digitalisierung - bald wieder in den Mittelpunkt rücken.

Was ist also in einer solchen Situation zu erwarten? Almeida glaubt an eine Rückkehr zur Normalität bei den Zinsen. Eine Rückkehr zur Normalität, die aber nicht spurlos am System der Aktienkurse vorbeigehen und vielleicht ihre aktuelle Rangfolge verändern werde.

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