Staatsanleihen und Zinsen

Wie man Anleihen aus Schwellenländern bewertet

Verfasst von MoneyController am 05.03.2021

Nicht alle Märkte entwickeln sich auf die gleiche Weise, wie Vander Elst, Manager von Degroof Petercam AM, im Interview mit Andreas Harms von „Das Investment“ erklärt. Das Verständnis, welches Land wirklich gerade einen günstigen Konjunkturzyklus und die richtige Geldpolitik hat, ist die entscheidende Voraussetzung für die Investition in die „richtigen“ Staatsanleihen.

Im Moment scheint zum Beispiel Ostasien den Wind im Rücken zu haben. Dank China, das als Lokomotive fungiert, dominiert Ostasien bei der Produktion, und die Zentralbanken halten die Inflation unter Kontrolle. In Lateinamerika ist die Situation anders. Der dortige Markt ist viel stärker vom Export von Rohstoffen abhängig, ein Markt, der durch die Pandemie besonders betroffen ist. In der Zwischenzeit hat sich die ohnehin schon niedrige Produktivität dieser Staaten weiter verschlechtert. Brasilien zum Beispiel war gezwungen, die Renditen seiner Staatsanleihen exponentiell zu erhöhen, um sich weiterhin an den Märkten finanzieren zu können.

Die anderen Zentralbanken vieler Schwellenländer, so Vander Elst, konnten ihre Interventionen so dosieren, dass die Wechselkurse stabil blieben und sogar gegenüber dem Dollar an Wert gewannen. Im Wesentlichen ist es ihnen gelungen, die Inflation stabil zu halten. Die Gründe dafür sind zum einen eine Produktivitätssteigerung im Vergleich zu den Industrieländern und zum anderen ein deutlich günstigerer Immobilienmarkt.

Vander Elst erklärt, dass bei der Bewertung von Schwellenländeranleihen immer auch die Ereignisse in der Weltwirtschaft berücksichtigt werden müssen. Insbesondere können, laut Elst, bis zu zwei Drittel ihrer Bewertung von externen Faktoren abhängen, wie z. B. den Eingriffen der Zentralbanken in den Industrieländern, dem Rohstoffmarkt oder dem Energiemarkt sowie dem Wachstum oder der weltweiten Inflation. Darüber hinaus muss ein so unzweifelhaft wichtiger Parameter wie das Verhältnis zwischen BIP und Staatsverschuldung vor allem unter dem Gesichtspunkt der Verteilung der Schulden (sie können in den Händen internationaler Organisationen wie IWF und Weltbank oder souveräner Staaten wie China liegen), der Währung, in der sie notiert sind, des Zeitpunkts und der Refinanzierungssätze betrachtet werden.

Vander Elst vergleicht die Situation von Brasilien mit Benin, einem westafrikanischen Land, das an Nigeria grenzt. Brasilien hat die höchste Staatsverschuldung unter den Entwicklungsländern, diese wurde jedoch in Landeswährung aufgenommen. Darüber hinaus gibt es nur wenige ausländische Investoren, die diese Schuldtitel halten. Das bedeutet, dass man sich auf unmittelbare und umfangreiche Reserven der nationalen Zentralbank verlassen kann. Benin hingegen hat eine viel geringere Staatsverschuldung im Verhältnis zum BIP, aber diese Verschuldung ist in Fremdwährung notiert und in den Händen von ausländischen Investoren. Dies macht Benin viel anfälliger für Schocks.

Das Portfolio von Vander Elst basiert auf der Erwartung eines Aufschwungs, der dazu führen wird, dass die Schwellenländer die nächsten Monate in Bezug auf die Wirtschafts- und insbesondere die Geldpolitik anders angehen werden. Das bedeutet, wie er betont, dass die Wahl der Art und Weise wie man investiert von Land zu Land unterschiedlich ist, insbesondere im Bereich der Hochzinsanleihen. Zu seinen Prognosen gehört die Aufwertung der Währungen der Schwellenländer, die derzeit noch recht günstig sind, aber für ein schnelles Wachstum anfällig sind.

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