Finanzmärkte / Wirtschaft

Weniger Geld, mehr Apps: Wie sich deutsche Gewohnheiten ändern

Verfasst von MoneyController am 15.01.2021

Man kann sagen, dass die Pandemie auch die Zahlungsgewohnheiten der Deutschen verändert. Die EZB hat errechnet, dass die bargeldlosen Zahlungen in europäischen Staaten im Jahr 2020 um 40% gestiegen sind. Das Beratungsunternehmen Ernst & Young führte eine Umfrage durch, an der 1.600 Deutsche teilnahmen: 21% von ihnen gaben an, ihre Zahlungsgewohnheiten geändert zu haben, und 29%, dass sie auch künftig immer weniger Bargeld verwenden werden. 75% der Befragten geben an, dass sie fast ausschließlich Online-Banking zur Erledigung von Bankangelegenheiten nutzen.

Wie Thomas Heuzeroth in der Tageszeitung Welt schreibt, wäre es jedoch zu einfach, unsere veränderten Gewohnheiten allein der Verbreitung des Virus zuzuschreiben. Wir befinden uns in der Tat mitten in einer Revolution, die in Zukunft sogar Kreditkarten und Geldautomaten überflüssig machen wird. Allein in Deutschland stehen bis zu 800.000 Terminals bereit, um Zahlungen über Smartphones und Smartwatches entgegenzunehmen.

Deutsche Banken haben gezeigt, dass sie für technologische Innovationen im Zahlungsverkehr bereit sind. Die Sparkassen sowie die Volks- und Raiffeisenbanken bieten ihren Kunden die Möglichkeit, Applikationen für Smartphones herunterzuladen, mit denen sie Zahlungen durchführen können. Die Zahl der Sparkassenkunden, die Apple-Pay haben, beträgt 1,5 Millionen. Der Erfolg der Apps ist auch darauf zurückzuführen, dass der Dienst auch mit Kredit- und Prepaid-Karten verbunden ist. Obwohl Apple-Pay bisher nur auf Smartphones und Smartwatches funktioniert, soll der Dienst bald auch für Mac-Computer oder iPads freigeschaltet werden. Das Ziel für 2021 ist es nämlich, die Dienste von Apple-Pay auch auf den riesigenMarkt des E-Commerce auszuweiten.

Dass der deutsche Markt als reif für eine solche technologische Revolution gilt, zeigt die Tatsache, dass zwei weitere Technologiegiganten ebenfalls auf deutschem Boden aufgetaucht sind: Google, das bereits mit seinem Dienst Google Pay aktiv ist, und Samsung, das bereit ist, konkurrierende Software zu entwickeln. Auch Facebook lässt sozusagen seine Motoren warmlaufen. Die Idee des größten sozialen Netzwerks der Welt wäre es, eine eigene Kryptowährung zu entwickeln (die kürzlich ihren Namen von Libra in Diem geändert hat).

Die Zahl der potenziellen Mobile-Payment-Kunden in Deutschland ist nach wie vor sehr hoch. Laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Allensbach hätten mindestens 9% der Deutschen schon einmal eine Zahlung per Smartphone oder Smartwatch getätigt. Aber immerhin jeder vierte Deutsche denkt, dass er dies in Zukunft regelmäßig tun wird.

Angesichts dieser Revolution haben die EU-Institutionen zunächst damit begonnen, dafür zu sorgen, dass jeder die gleichen Möglichkeiten zur Nutzung der neuen Technologien erhält. Dies bedeutet, dass die Europäische Kommission jetzt prüft, ob alle Websiten und Apps von Händlern Apple-Pay (bisher von 2.600 Finanzinstituten und 250 jungen Fintech-Unternehmen genutzt) in ihre Bezahlsysteme integrieren können,um keine unlauteren Wettbewerbssituationen zu erzeugen. Das andere Problem betrifft die Verwaltung der durch den Zahlungsverkehr erzeugten Daten, eine riesige Datenmenge von unschätzbarem Wert. Auch wenn Apple-Pay derzeit weder aufzeichnet, wo die Transaktion stattfindet,noch was gekauft wird, wollen die europäischen Behörden sicherstellen, dass diese Daten den richtigen Schutz erhalten.

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