Finanzmärkte / Wirtschaft

Warum ist die Nachfrage nach Bargeld so hoch?

Verfasst von MoneyController am 30.03.2021

Die EZB hat eine von Alejandro Zamora-Pérez verfasste Studie veröffentlicht, die zeigt, dass die Nachfrage nach Bargeld im letzten Jahr gestiegen ist. Doch wie ist das möglich, wenn immer mehr Zahlungen per Karte oder Online-Banking getätigt werden?

Beginnen wir mit den Daten. Im Dezember 2018 und 2019 lag die Netto-Ausgabe von Banknoten bei einem Volumen von 61 Milliarden Euro. Im Dezember 2020 betrug das Volumen der ausgegebenen Banknoten stolze 141 Milliarden Euro. Ein Zuwachs von mehr als 130%. Der Bargeldumlauf steigerte sich somit um 11%. Dies ist ein ziemlich seltsames Phänomen, zumindest oberflächlich betrachtet. Immerhin hatte die EZB auch die Ergebnisse einer Umfrage veröffentlicht, in der 40% der Befragten angaben, häufiger mit Kreditkarte als mit Bargeld zu bezahlen. Und schließlich muss man noch hinzufügen, dass mit den Mobilitätseinschränkungen und Lockdowns auch die Einkaufsmöglichkeiten und damit einhergehend die Bargeldabhebungen zurückgegangen sind.

Könnte die Nachfrage nach Bargeld aus dem Ausland kommen? Die europäische Währung hat im Ausland einen wohlverdienten Ruf für ihre Solidität, und so könnte es sein, dass in einer Situation der Unsicherheit eine wachsende Nachfrage aus dem Ausland nach ihr besteht. Doch wie der Redakteur der Frankfurter Allgemeine Zeitung, Christian Siedenbiedel, erklärt, war dies nicht der Fall: Es flossen mehr Scheine in die Eurozone zurück als hinaus. Ebenso scheint auch die Geldpolitik nicht wirklich dafür verantwortlich zu sein: Die Hilfen der Zentralbank schlagen sich nicht in der zusätzlichen Ausgabe von Bargeld nieder, das direkt in die Hände der Sparer fließt (das berühmte "Helikoptergeld").

Seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers hat es übrigens keinen solchen Anstieg mehr gegeben. Nun: Dies könnte der richtige Weg für eine Erklärung sein. Es handelt sich um ein den Ökonomen bekanntes Paradoxon, das den Namen "Banknoten-Paradoxon" trägt. Tatsächlich kommt es vor, dass Sparer in Krisensituationen und bei wirtschaftlicher Unsicherheit Bargeld als Sicherheitsgarantie anhäufen, um zumindest die Bezahlung lebensnotwendiger Güter gewährleisten zu können. Der Gegenbeweis ist, dass dasselbe Verhalten von Sparern auch in anderen Krisen systematisch an den Tag gelegt wurde, wie zum Beispiel nach dem Platzen der Blase von Tech-Werten im Jahr 2000 oder der Finanzkrise.    

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