Anlagen

Value und Growth? Veraltete Kategorien

Verfasst von MoneyController am 21.07.2021

Substanz oder Wachstum? Für Vermögensverwalter Uwe Wiesner ist diese Frage schlichtweg falsch gestellt. Im Magazin "Das Investment" hat der Vermögensverwaltungsexperte einen Artikel veröffentlicht, in dem er seine Meinung erläutert.

Um es gleich vorweg zu sagen: Das eigentliche Kriterium für die Auswahl einer Aktie ist die Qualität. Das ist die Idee von Wiesner, der die Trennung zwischen Substanz- (Value) und Wachstums- (Growth) Aktien für überholt und in manchen Fällen sogar für irreführend hält. Es hätte nämlich keinen Sinn, allzu allgemeine Aussagen zu treffen, wie z. B. zu sagen, dass Wachstumsaktien überbewertet und Value-Aktien unterbewertet seien. Viel sinnvoller sei es, sich ein vollständiges Bild von dem Unternehmen zu machen, in das man investiert, und dabei genaue Parameter zu berücksichtigen. Wiesner nennt mindestens vier Aspekte, die man immer berücksichtigen sollte, bevor man in ein Unternehmen investiert: Das Zukunftspotenzial des Geschäftsmodells, die Unternehmensführung unter Einhaltung der ESG-Parameter, die Qualität der Bilanz und der globale Zielmarkt.

Wiesner betont, dass das Betrachten der Zukunftsaussichten eines Unternehmens die vielleicht sinnvollste Einschätzung sei, die man vor einer Investition vornehmen sollte. Konkret bedeute das, zu verstehen, ob ein Unternehmen in seiner Branche auf Trends setzt, die sich durchsetzen werden, oder ob es noch in einem traditionellen Geschäftsmodell verankert ist. So seien nachhaltige Investments sehr vielversprechend, weil sie auf Märkte setzen, die sich etablieren werden (z.B. erneuerbare Energien) und auf Geschäftsmodelle, die explizit die Nachhaltigkeit des Unternehmens über die Zeit stärken.

Allerdings dürfe die Qualität der Bilanz eines Unternehmens nicht außer Acht gelassen werden. Diese sei notwendig, um mit unvorhergesehenen Ereignissen umzugehen (wie Wiesner auch sagt, hat uns die Pandemie vor Augen geführt, dass es schwarze Schwäne gibt), aber auch für andere Dinge: Investitionen in Innovationen zum Beispiel, um noch wettbewerbsfähiger zu werden. Zu diesem Aspekt fügt der Experte für Vermögensverwaltung die Bedeutung der richtigen Marktpositionierung hinzu: Giganten wie LVMH oder L'Òreal hätten ihren Investitionsradius nach Asien ausgeweitet und befänden sich nun in einer vorteilhaften Position im Vergleich zu ihren traditionell in westlichen Märkten verankerten Wettbewerbern.

Schließlich seien Wachstum und Substanz auch aus Sicht der Systematik von Investitionen unklare Kategorien. Es sei besser, in Anlageklassen zu denken und über Bergbau und fossile Brennstoffe, Stahl und Infrastruktur, IT, Tech, Automobil, Chemie, Gesundheit usw. zu sprechen. Es lohne sich vielmehr, Annahmen über Investitionsklassen (thematische Investments) zu treffen und diese immer mit einer 360°-Analyse der einzelnen Unternehmen zu ergänzen. Ohne dabei zu vergessen, dass ESG-Kriterien - so Wiesner - auch wichtig seien, um die Nachhaltigkeit (sprich: Qualität) eines Unternehmens im Zeitablauf zu beurteilen.

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