Staatsanleihen und Zinsen

Staatsanleihen und niedrige Zinsen, aber nicht zu niedrig

Verfasst von MoneyController am 08.01.2021

Jim Leaviss ist Leiter des Anleiheinvestment-Teams beim britischen Fondshaus M&G Investments. Seine Beiträge über den Anleihenmarkt - ein Sektor in dem er ein anerkannter und maßgeblicher Experte ist - können Anlegern helfen, sich besser am Markt zu orientieren. In einem seiner Artikel in „Das Investment“ vergleicht er beispielsweise zwei verschiedene Methoden zur Messung von Renditeprognosen für den US-Staatsanleihenmarkt. Aufgrund einiger Überlegungen geht Leaviss davon aus, dass das Marktwachstum in Zukunft möglicherweise nicht den optimistischsten Erwartungen entspricht. Dies bedeutet jedoch nicht, dass es zu einer Trendumkehr kommen wird. Kurz gesagt, die Zinsen werden steigen, wenn auch innerhalb ziemlich genauer Grenzen.

Bei der Ausführung seiner Argumentation betrachtet Leaviss US-Anleihen mit einer Laufzeit von mehreren Jahrzehnten. Dies ermöglicht ihm, Prognosen zu treffen, die nicht durch das „Hintergrundrauschen“der pandemiebedingten Wirtschaftskrise gestört werden. Die Zinssätze des10-Jahres-Terminkurses (2030-2040) liegen bei 2,09%. Von dieser Rendite muss jedoch der Effekt der Inflation, d.h. ca. 2%, abgezogen werden. Die Rendite würde also leicht über Null liegen. Der Zinssatz für 10-jährige US-Anleihen beträgt derzeit 0,92%.

Was Leaviss glauben lässt, dass die Zinsen nicht von diesen Prognosen abweichen werden, sind makroökonomische und geldpolitische Gründe. Westliche oder höher entwickelte Gesellschaften wie Japan sind mit hohen Staatsschulden belastet. Es gibt mindestens zwei strukturelle Probleme, die einen Rückgang verhindern: eine alternde Bevölkerung und stagnierende Produktivität. Für Staaten ist der Kapitalmarkt daher der effektivste Weg, um weiterhin neue Kreditgeber für ihre Schulden zu finden.

Die Staaten müssen jedoch auf zwei Aspekte achten. Zum einen hängen die Fremdfinanzierungsbedingungen von der Attraktivität der Staatsanleihen ab. Negative Zinssätze bergen die Gefahr, dass sich die Anleger anderswo umsehen. Bei zu hohen Zinssätzen besteht die Gefahr, dass die Schuldenkosten nicht mehr tragbar sind. Hier kommt die Geldpolitik ins Spiel. Die Zentralbanken müssen ihre Interventionen so bemessen, dass sie genügend Wertpapiere kaufen, um die Zinsen stabil zu halten und sicherzustellen, dass die Inflation nicht steigt. Die Kombination dieser beiden Aktionen garantiert einen inflationsbereinigten attraktiven Zinssatz für Staatsanleihen.

Die Inflation kann jedoch nicht vollständig durch staatliche Geldpolitik kontrolliert werden. Um eine zusätzliche Absicherung zu erhalten, empfiehlt Leaviss daher die Kombination von Staatsanleihen mit Finanzprodukten, die vor Inflation schützen.

Jim Leaviss hat diese Überlegungen wiederholt ausgedehnt, auch auf den Markt für Staatsanleihen europäischer Länder. Die Zukunft des Marktes für Staatsanleihen in Ländern mit einer solchen sozioökonomischen Struktur kann nur so sein. Die Situation ändert sich jedoch bei den Schwellenländern. Es sind junge Länder mit großen Spielräumen für Produktivitätssteigerungen. Kurz gesagt, Länder, die sich höhere Zinsen für Staatsanleihen leisten können. Sie sind sicherlich weniger stabil als westliche Länder, wie die Covid-Krise gezeigt hat, die sie viel härter getroffen hat. Die Verbreitung des Impfstoffs könnte jedoch ihren Anleihemarkt sicherer und profitabler machen.

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