Staatsanleihen und Zinsen

Signalisieren die Renditen von Staatsanleihen das Ende der Erholung oder werden sie wieder steigen?

Verfasst von MoneyController am 08.07.2021

Warum wächst die Wirtschaft und die Renditen von Staatsanleihen stagnieren? Diese Frage hat sich Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management, gestellt.

Die Tatsache, dass zehnjährige Anleihen nicht von der wirtschaftlichen Erholung profitieren, ist für Tilmann Galler gelinde gesagt merkwürdig. Einer der möglichen Gründe dafür sei, dass eine Abschwächung der Konjunktureffekte erwartet werde und, wie die Zentralbanken wiederholen, das Inflationsphänomen nur vorübergehend sei.

Allerdings, so Galler, stießen die Konjunkturprogramme bei den Verbrauchern auf eine starke Neigung zum Ausgeben anstatt zum Sparen. Das bedeute einen starken Anstieg der Güternachfrage, der ein Angebot gegenübersteht, das diese Nachfrage noch nicht vollständig decken kann. Die starke Erholung der privaten Nachfrage werde auch durch die öffentlichen Infrastrukturpläne in den USA und Europa unterstützt. Dies veranlasst Galler zu der Annahme, dass die Inflation nicht so einfach hinter sich zu lassen sein werde.

Warum also bleiben die Renditen von Staatsanleihen weiterhin niedrig? Der Hauptgrund sei technischer Natur und hänge mit der Politik der Federal Reserve zusammen, deren Auswirkungen dann auch auf Europa übertragen wurden. Der Hauptgrund ist demnach die mangelnde Verfügbarkeit von Neuemissionen gewesen. Letztes Jahr, auf dem Höhepunkt der Pandemiekrise, emittierte das US-Finanzministerium Schuldtitel in Höhe von 3 Billionen US-Dollar, und 1 Billion US-Dollaran Fed-Finanzierungen kamen von dort. Es ist also gerade der große verfügbare Bestand, der das Angebot an neuen Wertpapieren im Moment weniger verfügbar gemacht hat.

Nach Meinung von Galler könnte sich die Situation jedoch ändern und zu einem Anstieg der Renditen von Staatsanleihen führen.

Trotz der verbleibenden 600 Milliarden Dollar bleibt der Finanzierungsbedarf für die nächsten zwölf Monate besonders wichtig. Die Entscheidung, die Demokraten und Republikaner in Bezug auf den Investitionsplan für die Infrastruktur treffen werden, für den voraussichtlich eine zusätzliche Billion Dollar ausgegeben werden soll, wird sicherlich ausschlaggebend sein. Und nicht nur das. Die Fed wird voraussichtlich Ende des Jahres damit beginnen, die Anleihekäufe in Höhe von monatlich 120 Milliarden US-Dollar schrittweise zu reduzieren. Diese Verringerung der Nachfrage durch die Fed in Kombination mit einer Erhöhung des Angebots an Anleihen sollte sich letztendlich in höheren Renditen für Staatsanleihen niederschlagen.

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