Staatsanleihen und Zinsen

Wer profitiert von steigenden Zinssätzen?

Verfasst von MoneyController am 06.05.2021

In diesen Wochen ist eines der populärsten Themen unter Finanzkommentatoren die Erhöhung der Zinsen. Es werden viele Fragen gestellt, unter anderem die folgenden: Wie werden die Märkte reagieren? Wer wird am meisten davon profitieren? Wer wird am meisten darunter leiden? Fondsprofessionell hat eine interessante Studie vorgestellt, die vom Portfoliomanager bei HQ Trust, Sven Lehmann, veröffentlicht wurde. Die Studie hat den Vorzug, die Frage in eine langfristige historische Perspektive zu stellen.

Wie Fondsprofessionell anmerkt, scheint es leicht, im Voraus zu erkennen, wer an den Märkten am meisten von einer Zinserhöhung profitieren würde. Schließlich hängt alles von der Höhe der Verschuldung ab. Wenn die Zinsen steigen, werden die am höchsten verschuldeten Sektoren ihre Margen schrumpfen sehen. Umgekehrt sind Sektoren mit wenig oder keiner Verschuldung kaum betroffen. Es sind vor allem die Banken, die am unmittelbarsten davon profitieren, da sie mit den Zinsen als Rendite rechnen können. Aber ist dies wirklich das, was geschieht und im Laufe der Zeit geschehen ist?

Um zu sehen, was tatsächlich passiert (und passiert ist), wenn die Zinssätze steigen (und sie sind gestiegen), verglich Lehmann 20 Datastream-Sektorindizes mit dem globalen Aktienindex DS und konzentrierte sich dabei genau auf 12 Phasen mit steigenden Zinssätzen. Die Zeitspanne der Analyse reicht von 1983 bis zum heutigen Tag. Das erste Ergebnis, das ins Auge springt, ist, dass Technologiewerte am besten abschnitten, während Versorgungsunternehmen die schlechtesten Ergebnisse erzielten.

Im Allgemeinen sind die Aktienklassen die bei steigenden Zinssätzen am besten abschneiden, genau die Aktienklassen, die insgesamt am besten abschneiden. An der Spitze der Liste stehen Tech-Werte, die in 11 von 12 Fällen den Marktindex übertrafen. Nur der Industriesektor schaffte es, an diese Ergebnisse heranzukommen. In der Liste der besten Performer sind sicherlich auch die Automobilhersteller und Rohstofflieferanten zu nennen. Die Bereiche Pharma, Nahrungsmittel und Versorgung, die Teil des sogenannten "defensiven Sektors" sind, entwickelten sich dagegen angesichts steigender Zinsen unterdurchschnittlich. Bei den Versorgungsunternehmen war dies in 11 von 12 Phasen der Fall. 

Die Banken, die auf dem Papier die günstigsten Bedingungen gehabt hätten, um die Marktindizes bei jedem Zinsanstieg zu übertreffen, schnitten stattdessen nur 6 von 12 Mal besser ab.

Wie das Magazin anmerkt, wird die Theorie, dass weniger verschuldete Sektoren bei steigenden Zinsen besser abschneiden, daher nicht bestätigt. Zu der Kategorie der weniger verschuldeten Sektoren gehören Branchen, wie Technologie, Finanzdienstleistungen (die im Mittelfeld der Rangliste liegen) und Konsumentenprodukte (die auf den hinteren Plätzen liegen), die in Bezug auf ihre Performance eben sehr heterogen sind. In der aktuellen Situation, die als eine Phase steigender Zinsen angesehen werden kann, übertreffen die Reisebranche, das Baugewerbe und der Automobilsektor die Benchmark. Im Gegensatz dazu entwickeln sich Einzelhandel, Konsumgüter und Nahrungsmittel derzeit unterdurchschnittlich.

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