Altersvorsorge

Pensionsfonds: Aktienmärkte messen Risiko nicht mehr richtig

Verfasst von MoneyController am 20.02.2021

Wie Marti Hock von der Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) schreibt, hat das deutsche Betriebsrentensystem in Zeiten des Wachstums sehr gut funktioniert. Heute gibt es jedoch einige wirtschaftliche und finanzielle Elemente, die diesen Mechanismus zu hemmen drohen. Insbesondere unter dem Gesichtspunkt der Risikobewertung.

Das erste Problem ist struktureller Natur und besteht in der fortschreitenden Überalterung der deutschen Bevölkerung. Das zweite Problem ist das niedrige Zinsniveau, das die Pensionsfonds dazu zwingt, immer aggressivere Strategien zu entwickeln, um Renditen zu erzielen. Es gibt jedoch noch einen weiteren Aspekt zu berücksichtigen, der eher technischer Natur ist. Die Zinssätze haben einen direkten Einfluss auf die Pensionsrückstellungen der Unternehmen. Wenn sie steigen, muss das Unternehmen das Rückstellungsvolumen erhöhen. Wenn die Zinssätze fallen oder niedrig bleiben, braucht es dies nicht zu tun. Diese Situation (die keine Gegenmaßnahmen erfordert) erhöht das Defizit der Pensionsbilanzen vieler von der Krise betroffener Unternehmen. Das bedeutet, dass ihre Betriebsrente mit mehr Risiken behaftet ist.

Da es sich um Produkte handelt, die an den Finanzmärkten notiert sind, sollte der Markt das Risiko dieser Pensionsfonds anhand des Parameters der Rendite messen. Der Vermögensverwalter Insight Investment hat in Zusammenarbeit mit der Frankfurt School of Finance& Management eine entsprechende Studie durchgeführt, die unter dem Namen „Pension Monitor“ veröffentlicht wurde. Das Ergebnis ist, dass Unternehmen mit geringeren Pensionsrisiken dieselben sind, die die besten Renditen auf dem Markt bieten. Für die beiden Autoren der Studie, Wolfgang Murmann und Olaf Stotz, widerspricht dieses Ergebnis dem, was normalerweise der Fall sein sollte, nämlich dass mit zunehmendem Risiko auch die Aktienrendite steigen sollte.

Der Grund dafür ist, dass der Aktienmarkt die wahren Risiken nicht mehr klar erkennt und sich auf Bewertungen stützt, die nicht vollständig sind. Die wahrscheinlichste Ursache für diese Fehleinschätzung des Risikos ist die Überliquidität an den Finanzmärkten und eine Reihe von Analysen, die durch die Jagd nach Renditen, die fast das gesamte Jahr 2020 kennzeichnete, verzerrt wurden. An diesem Punkt, so schreiben die Autoren, muss man daher auf andere Indikatoren zurückgreifen, um das Risiko zu messen. Zum Beispiel kann man auf die Fremd- und Eigenkapitalkosten zurückgreifen. Hier besteht laut ihren Studien eine viel größere Übereinstimmung zwischen diesen Indikatoren und dem Risikoniveau von Unternehmen als zwischen Aktienrendite und Risiko.

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