Immobilien

Haben offene Immobilienfonds ein Problem?

Verfasst von MoneyController am 11.06.2021

Hat die Branche der Offenen Immobilienfonds wirklich ein Problem, oder ist es nur ein vorübergehender Rückschlag? Schaut man sich die Daten an, lief es im vergangenen Jahr nicht so gut: Erstmals seit 2011 sank die Vermietungsquote für Immobilien. Christian Siedenbiedel hat in einem Artikel in der Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) versucht nachzuvollziehen, warum.

94,3 % ist der Prozentsatz, der den Anteil der im letzten Jahr von Offenen Immobilienfonds vermieteten Objekte angibt. Der Anteil ist sicherlich hoch. Aber er ist niedriger als im Jahr zuvor. Und erstmals seit 2011 ist es eine Zahl, die einen Abstieg markiert. Nun beziehen sich diese Daten aber auf ein ganz bestimmtes Jahr, nämlich 2020. Wie die Spezialistin für Offene Immobilienfonds bei der Rating-Agentur Scope Sonja Knorr erklärt, ist die Schuld sicherlich zu einem großen Teil bei der Pandemie-Krise zu suchen. Wenn auch nicht ganz.

Einerseits kann man sich in der Tat leicht ausmalen, wie viele Geschäftsreisen, Kongresse und Messen im Jahr 2020 hätten stattfinden können, die stattdessen nicht stattgefunden haben. Die Hotels haben natürlich stark unter dieser Krise gelitten. Hinzu kommt der Rückgang der Nachfrage nach neuen Büros oder deren Mietverlängerung - angesichts des Aufstiegs des Homeoffice - sowie vorübergehemde Schließungen und Geschäftsaufgaben. Auf der anderen Seite gibt es aber auch den Trend, dass sich die gewerblichen Aktivitäten in immer größere Einkaufszentren verlagern. Ein Trend, der schon vor der Pandemie zu beobachten war.

Die Folge war ein kleines Erdbeben bei den Ratings der Immobilienfonds. Scope stufte sogar 15 offene Immobilienfonds herab. Die einzige Ausnahme ist der Hausinvest der Commerzbank-Tochter Commerz Real. Uni-Immo Deutschland, Uni-Immo Europa und Uni-Immo-Global der Fondsgesellschaft Volksbanken Union Investment wurden beispielsweise dagegen herabgestuft. Auch der DWS-Fonds Grundbesitz Europa wurde herabgestuft und hat nun ein Rating von "bbb+". Uni-Immo-Global ist auf ein Rating von "bb" gefallen. Der Grund ist, dass sein Rendite-Profil auf Jahressicht negativ war. Tatsächlich liegt der Grund für die allgemeine Herabstufung im generellen Rückgang der Renditeprofile: Die 15 Fonds sind von durchschnittlich 3,2% vor zwei Jahren auf 2,1% im Jahr 2020 gesunken. Für dieses Jahr, 2021, wird eine durchschnittliche Rendite von rund 1,5% seitens der Scope-Analysten erwartet.

Im weiteren Verlauf des Artikels wird noch einmal die Meinung von Knorr zitiert. Die Expertin geht davon aus, dass nachhaltige Investments eine noch größere Rolle auf dem Markt spielen werden, da die Nachfrage der jüngeren Generation immer stärker wird. Bei den Büros rechnet sie aufgrund des Homeoffice nicht mit einem besonders hohen Leerstand bei Class-A-Büros, sondern eher bei weniger attraktiven Standorten. Sicher: Insgesamt sind die Nettomittelzuflüsse im Jahr 2020 von 10,4 auf 7,8 Milliarden Euro gesunken. Richtig ist aber auch, dass der Zugang zu Investitionen in Offene Immobilienfonds nach wie vor stark reglementiert ist und dass die Gesamtprognose des Sektors trotz allem recht solide erscheint.

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