Staatsanleihen und Zinsen

EZB: Niedrige Zinsen und kein Ende in Sicht?

Verfasst von MoneyController am 17.04.2021

Am vergangenen Mittwoch fand ein Treffen zwischen EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel und Lars Feld, dem ehemaligen Vorsitzenden der Wirtschaftsweisen, statt. Der Titel derTreffens lautete "EZB: Niedrigzinsen ohne Ende?". Schon der Titel erklärt das große Interesse, das das Aufeinandertreffen hervorrief.

Eine der wichtigsten Fragen des Moderators, des grünen Europaabgeordneten Sven Giegold, lautete: Wie sehr ist die EZB für die niedrigen Zinsen verantwortlich? Schnabel antwortete nicht mit einer Prozentzahl, sondern zeigte eine Grafik, die den Handlungsspielraum der EZB veranschaulichte. Tatsächlich sei der Abwärtsdruck auf die Zinssätze nicht in erster Linie auf geldpolitische Interventionen zurückzuführen, sondern auf makroökonomische und soziale Faktoren wie Demografie und Globalisierung (d.h. eine alternde Bevölkerung, Konkurrenz durch ausländische Märkte und geringe Produktivität). Kurz gesagt: Die EZB könne die Zinsentwicklung beeinflussen, aber nicht bestimmen.

Feld stimmte mit Schnabel überein, dass es nicht die EZB war, die die Zinsen so nach unten gedrückt habe. Während er sich für die Fortsetzung der Geldpolitik aussprach, kritisierte Feld jedoch den Umfang der EZB-Interventionen, die in den vergangenen Jahren hätten reduziert werden können. Einig waren sich beide hinsichtlich der Inflationsprognose von über 2 % für dieses Jahr sowie über die Tatsache, dass dies die deutschen Sparer nicht erschrecken sollte. Im Jahr 2022 werde sie mit ziemlicher Sicherheit sinken. Das Problem, so Feld, sei ein anderes und betreffe die langfristige Zukunft: Die demografische Entwicklung könnte zu einem Wachstum der Staatsverschuldung führen und die Inflation ansteigen lassen, um sie nachhaltig zu machen. Wäre die EZB bereit, sich dieser Herausforderung zu stellen?

Ein weiterer interessanter Aspekt, der in dem Interview angesprochen wurde, war die Entstehung möglicher Finanzblasen im Zusammenhang mit der expansiven Geldpolitik (Immobilienblasen sind die Hauptsorge der Deutschen). Unter diesem Gesichtspunkt räumte Schnabel natürlich ein, dass die EZB auch die Nebenwirkungen ihrer Politik berücksichtigen sollte. Schließlich wurde auch das Thema Nachhaltigkeit angesprochen. Zum Klimaziel als zusätzliches Ziel der EZB äußerte sich Feld zurückhaltend. Schnabel hingegen erinnerte an dessen Bedeutung. Die EZB kaufe Unternehmensanleihen im Verhältnis zu deren Verfügbarkeit. Und da es so viele Unternehmen mit hoher Emissionsintensität auf dem Markt gebe, begünstige sie derzeit gerade die "Klimasünder".

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