Vermögensverwaltung

Negativzinsen sind nicht für alle gleich

Verfasst von MoneyController am 26.03.2020

Die Deutsche Bank hat eine Studie des Finanzanalysten Orçun Kaya veröffentlicht, um die wirksamen Folgen niedriger Zinsen für das Vermögen deutscher Haushalte zu klären. Kaya argumentiert zunächst, dass die verlässlichsten Indikatoren zur Messung dieser Auswirkungen die Realzinsen sind, bzw. „Inflationsbereinigt“ und nicht nur „nominale“ Werte. Dies würde, aber nur teilweise, einige weit verbreitete Überzeugungen verringern, dass die von der Europäischen Zentralbank vorgenommenen Zinssenkungen das Finanzvermögen der deutschen Familien am meisten schädigen würden.


Zunächst ist anzumerken, dass 40% des Familienvermögens aus Bargeld und Einlagen bestehen. Unter Berücksichtigung einer durchschnittlichen Rendite im Jahr 2019 von -1,2%, kosten die negative Zinsen durchschnittlich 150 Euro pro Person. Niedrige oder negative Zinsen bestrafen daher tatsächlich Sparer und Kontoinhaber, aber es sollte nicht vergessen werden, dass zwischen 1991 und 2007 die Einnahmen aus diesen Ersparnissen, eine Periode höherer Zinsen als heute, unter Berücksichtigung der Inflation, nur + 0,4% betrug.


Dennoch stieg die Nettosparquote in Deutschland von 2014 bis zum ersten Quartal 2019 von 9,4% auf 10,5%. Dies erklärt sich dadurch, dass es im Portfolio der deutschen Sparer nicht nur Bargeld und Einlagen gibt, sondern beispielsweise auch Wertpapiere und Versicherungsverträge, die zwar zwischen 2014 und 2019 von einer Rendite von 3% auf 1% gefallen sind doch sie blieb immer positiv. Es muss also hinzugefügt werden, dass nicht alle Bürger gleichermaßen von negativen Zinsen betroffen sind, da die Verteilung des Wohlstands ungleichmäßig ist. 10% der reichsten Deutschen besitzen 60% des gesamten Finanzvermögens. Die weniger wohlhabende Hälfte der Deutschen, besitzt nur 2%, während der Rest der sogenannten Mittelklasse zuzuschreiben ist. Die reichsten Bevölkerungsgruppen - bestätigt Kaya - sind am stärksten von negativen Zinsen betroffen, da sie über ein größeres Finanzvermögen verfügen, aber sie bringen ihre Auswirkungen mit Finanzinstrumenten wie Investmentfonds oder dem Kauf von Aktien in Einklang.


Kaya kommt zu dem Schluss, dass niedrige Zinsen zwar auch mittelgroße bis kleine Familienvermögen betreffen, dies jedoch in geringerem Maße, und dass genau dieses Finanzvermögen selbst angesichts höherer Zinsen gegen Inflation nicht sicher wären. Auf der anderen Seite begünstigen niedrige Zinsen ein höheres Kreditvolumen, das von den Banken an die Familien ausgezahlt wird, sowie den Kauf von Immobilien, die in Deutschland in den letzten Jahren stark an Wert gewonnen haben und somit die Immobilienbesitzer bereichern.

 

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