ESG - Nachhaltigkeit

Sind die Risiken nachhaltiger Investments jedem klar?

Verfasst von MoneyController am 16.10.2021

In Nachhaltigkeit zu investieren bedeutet nicht zwangsläufig, dass man vor allen möglichen Risiken geschützt ist. Die Süddeutsche Zeitung (SZ) berichtete über eine Studie der Denkfabrik Finanzwende, die die Schäden der größten finanziellen Flops im Zusammenhang mit nachhaltigen Investments der letzten zehn Jahre zusammengetragen und beziffert hat.

Nachhaltige Investments durchleben derzeit eine schwierige Phase. Einige sprechen von einer Blase, andere davon, dass sie aus Sicht der Rendite nachteilige Investitionen seien. Tatsächlich sind die Kurse zum einen sehr hoch, zum anderen bringen einige Investitionen in die traditionelle Wirtschaft - angetrieben durch steigende Rohstoff- und Energiepreise - bessere Ergebnisse. Hinzu kommt, dass die Investition in nachhaltige Anlagen, wie gesagt, mit einem gewissen Risiko verbunden ist: Laut der Studie von Finanzwende, die der SZ zur Verfügung gestellt wurde, haben nachhaltige Anleger in den letzten zehn Jahren rund zwei Milliarden Euro verloren.

Wer sind die Hauptverantwortlichen? Da ist der Windinvestor Prokon, der einen Verlust von 600 Millionen Euro verzeichnete. Dann ist da noch UDI, ein Finanzierer von Windparks, Biogasanlagen und Solarparks, der 150 Millionen Euro verbrannt hat. Und schließlich, um nur die zu nennen, über die Markus Zydra in seinem Artikel in der SZ berichtet, gibt es noch Windreich, ein auf Windkraftanlagen spezialisiertes Unternehmen: 100 Millionen Euro betrug der Verlust. In die Liste wurden auch Unternehmen aufgenommen, die bereits erste Zahlungsausfälle verzeichnet haben. Aber wie ist das möglich?

Dafür gebe es zwei Gründe, wie Magdalena Senn, Referentin für nachhaltige Finanzmärkte bei Finanzwende, erklärt. Der erste sei betrügerisches Marketing: Nachhaltige Anlagen sind so reizvoll, dass sie auch als Lockvogel eingesetzt werden, um riskante Produkte leichter verkaufen zu können. Der zweite Grund sei die unzureichende Regulierung des grauen Kapitalmarktes. In der Tat hat die Bundesregierung die Vorschriften in diesem Bereich bereits verschärft, insbesondere für so genannte Blindpools, also allgemeine Beteiligungsformen, bei denen die Anleger jedoch nicht wissen, wohin genau ihre Investitionen fließen.

Die von Senn gezogene Schlussfolgerung ist nicht nur sinnvoll, sondern auch vollständig nachvollziehbar: „Private Investitionen sind für den nachhaltigen Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft unerlässlich. Investment-Flops mit grünem Mäntelchen zerstören Vertrauen. Wir brauchen starke Regeln, die Verbraucher schützen und nachhaltige Investitionen auf eine stabile Grundlage stellen".

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