ESG - Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit: Was ändert sich für Berater mit dem EU-Vorschlag zur Ergänzung von Mifid II?

Verfasst von MoneyController am 03.05.2021

Der Wille zu einer nachhaltigeren Wirtschaft und Finanzwirtschaft kommt nicht nur aus der öffentlichen Meinung, sondern wird auch von öffentlichen Institutionen aktiv gefördert. Ein Beispiel liefert die Europäische Kommission, die in den letzten Tagen vorgeschlagen hat, die Mifid II-Richtlinie durch weitere Verpflichtungen für Finanzberater und Versicherungsmakler zu ergänzen.

Die Idee der EU-Kommission ist es, die Informationspflichten von Finanzberatern nicht nur zu erhöhen, sondern sie auch auf Versicherungsmakler auszuweiten. Wie die Zeitschrift "Das Investment" in einem ihrer Artikel aufzeigt, sind Berater nun nicht mehr nur verpflichtet, die Anlageziele und Risikoneigungen ihrer Kunden in Erfahrung zu bringen, sondern müssen auch deren Nachhaltigkeitspräferenzen eingehend untersuchen. Ja, aber wie sollte diese Verpflichtung letztendlich umgesetzt werden? Der Münchner Rechtsanwalt Christian Waigel hatte - ebenfalls in der Zeitschrift - vorgeschlagen, drei zusätzliche Fragen hinzuzufügen, die den Kunden bei der Beratung gestellt werden sollten.

Die sich für die Berater abzeichnende Veränderung scheint jedoch wesentlich umfangreicher zu sein. Andere, eher optimistische Kommentatoren meinten, dass Berater damit durchkommen könnten, ihren Kunden gegenüber lediglich die drei Komponenten von Investitionen zu erwähnen, die mit dem Kürzel ESG ("Environmental, SocialandGovernance") verbunden sind. Statt von nur drei Komponenten spricht die Kommission jedoch von 20 "Nachhaltigkeits-Indikatoren". Finanzberater und Versicherungsmakler hätten daher die Aufgabe, viel detaillierter und deutlicher darzustellen, wie die Nachhaltigkeitskomponenten in den Anlageprodukten oder Policen abgebildet sind.

Es ist offensichtlich, dass die Voraussetzung, um eine solche Beratung innerhalb eines vernünftigen Zeitrahmens (und in Übereinstimmung mit den EU-Anforderungen) zu ermöglichen, eine gründliche Kenntnis über die breite Palette nachhaltiger Produkte auf dem Markt oder zumindest eines großen Teils davon seitens der Berater ist. Erschwerend kommt hinzu, so der Sparkassenverband DSGV, dass der Berater eine weitere Verpflichtung gegenüber dem Kunden hat: Er muss sich vergewissern, wie hoch der Anteil der Investitionen, die der Kunde nach nachhaltigen Kriterien anlegen möchte, sein soll.

Obwohl noch nicht feststeht, wie lange es dauern wird, bis diese Maßnahmen verpflichtend werden, scheint es, dass den Finanzakteuren nicht viel Zeit zur Anpassung eingeräumt wird. Einige Beobachter sprechen davon, dass die Maßnahmen bereits Mitte nächsten Jahres in Kraft treten werden.

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