Robo Advisor

Maschinen vs. Menschen: Wo stehen wir bei Robo-Advisors?

Verfasst von MoneyController am 19.02.2021

Das Abenteuer der Robo-Advisors begann in Deutschland in 2013, dank eines von der Sutor Bank ins Leben gerufenen Dienstes. Seitdem setzte sich das Wachstum nahezu ungebremst fort. Heute gibt es rund 40 aktive Anbieter. Die 25 größten Robo-Advisor-Unternehmen verwalteten Ende 2019 ein Vermögen von vier Milliarden Euro. Das Wachstum ist wirklich beeindruckend: 2016 betrug das verwaltete Vermögen 300 Millionen Euro. Doch wie Dunja Koelwel, Chefredakteurin der gi Geldinstitute (die diese Daten erhoben hat), schreibt, scheint sich der Boom der Robo-Advisors zu beruhigen. In ihrem Artikel verglich Koelwel die Meinungen von vier Experten zu diesem Thema. Zwei davon kamen aus der traditionelleren Investmentwelt (Deutsche Bank und Targobank), die beiden anderen direkt aus der Robo-Advisor-Welt (Quirion und Scalable Capital).

Sowohl die Experten aus dem traditionellen Sektor als auch die Experten aus der Robo-Advisory-Welt glauben, dass dies ein Trend ist, der anhalten wird. Einige glauben, dass der beste Weg zur Optimierung der Ergebnisse darin bestehe, die Verwaltung durch Robo-Advisors mit Experten aus Fleisch und Blut zu kombinieren. Andere glauben, dass dieser Trend in einer immer stärkeren Demokratisierung von Investitionen bestehe, die den einzelnen Anleger in Zukunft immer autonomer werden lasse. Tatsache ist, dass auch die Banken immer mehr Vertragsformeln und Angebote erproben, die den Einsatz von Robo-Advisors vorsehen. Natürlich handelt es sich in der Bankenwelt noch um einen eher marginalen Bereich des Produktangebots. Aber er gewinnt zunehmend an Dynamik.

Seitens der Kleinsparer hat die Coronavirus-Krise sie im Durchschnitt vorsichtiger bei Investitionen gemacht. Doch wie die vier Experten betonen, haben sich Investments über Robo-Advisors bewährt. Tatsächlich hatten viele Menschen mehr Zeit, über ihre Ersparnisse nachzudenken und haben daher mithilfe von Robo-Advisors noch mehr investiert. Generell stimmt es nicht, wie man meinen könnte - so die vier Experten - dass es immer schwieriger sei, die Zielgruppe der Robo-Advisors zu definieren. Es sind in der Tat die „durchschnittlichen“ Sparer. Gewöhnliche Sparer auf der Suche nach niedrigen Verwaltungskosten, Transparenz und Autonomie bei ihren Investitionen.

Nach Meinung der vier Experten können die Robo-Advisors durchaus einen Teil der traditionellen Finanzberatung ersetzen. Diese Situation ist sicherlich Teil eines allgemeineren Trends im Zusammenhang mit der Automatisierung von Wirtschaft und Gesellschaft. Genauer gesagt, werden diejenigen in der Finanzwelt, die nicht mit der Absenkung der Provisions- und Verwaltungskosten mithalten können, von jeder Innovation, die auf Automatisierung setzt, stärker betroffen sein. Banken werden sich sicherlich zunehmend darauf einstellen müssen, ihre traditionellen Dienstleistungen mit denen von Robo-Advisors zu integrieren. Allerdings sind sich alle Experten einig, dass dies ein Prozess ist, der noch Zeit braucht, um zu reifen.

Die Zukunft der Robo-Advisors scheint auch von einigen Schatten geprägt zu sein. Im Oktober wurde Scalable Capital mit einer Datenpanne konfrontiert, die die Frage der Datensicherheit und des Datenmanagements aufwarf. Außerdem, wer ist für einen eventuellen Fehler verantwortlich? Wie die vier behaupten, ist es, um ehrlich zu sein, ein eher unwahrscheinlicher Fall, bei dem man erkennen kann, ob die Verantwortung bei Mensch oder Maschine liegt. Um keine Fehler zu machen, sammeln die Robo-Advisors zwar die Hinweise der Anleger, aber sie konstruieren sicher keine Rundum-Strategie für ihre Kunden. Mit anderen Worten, sie optimieren lediglich die von den Investoren bereits getroffenen Entscheidungen. Es ist ganz offensichtlich, dass die ursprüngliche strategische Planung niemals nur Robotern anvertraut werden kann. Einen echten Finanzexperten, den man um Rat fragen kann, wird man immer brauchen.

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