Finanzmärkte / Wirtschaft

Bringt die Rezession auch Chancen?

Verfasst von MoneyController am 01.08.2022

Ein langes Interview mit Klaus Kaldemorgen und Christoph Schmidt, Manager und Co-Manager bei der DWS, erschien im Magazin "Focus". Ihre Analyse der aktuellen Wirtschaftslage ließ auch einige Möglichkeiten offen.

Inflation, steigende Zinsen und mögliche Rezession

Die Rezession hat die US-Wirtschaft bereits erreicht, und es ist möglich, dass dies auch in Europa der Fall sein wird. Wie die beiden Experten erklären, gibt es nicht viel, worüber man sich wundern müsste. Die Inflation und der Zyklus der Zinserhöhungen zu ihrer Eindämmung haben in der Vergangenheit zu ähnlichen Situationen geführt. Der Ausbruch des Krieges zwischen Russland und der Ukraine hat die Situation noch verschärft. In den USA wird die Inflation durch einen Nachfrageüberhang verursacht, und daher ist es folgerichtig - wie Kaldemorgen und Schmidt erläutern -, dass sie durch Zinserhöhungen bekämpft wird. In Europa wird die Inflation stattdessen durch Versorgungsengpässe (bei Rohstoffen wie Gas und Halbleitern) verursacht. Es ist möglich, dass die EZB aus diesem Grund und zum Schutz von Ländern mit größeren Schwierigkeiten bei der Refinanzierung ihrer Schulden die Zinsen nicht so aggressiv anheben wird wie die Federal Reserve.

Märkte bieten weiterhin Chancen

Doch trotz dieses wenig beruhigenden Bildes sehen die beiden Manager einige Bereiche, die Chancen bieten könnten. Der Telekommunikations- und der Pharmasektor bieten ihrer Meinung nach attraktive Dividendenrenditen. Im Allgemeinen bevorzugt der Markt heute vor allem defensive und dividendenfähige Aktien. Wachstumsaktien könnten eine interessante Neuheit darstellen. In einigen Fällen haben diese bereits die Folgen von Zinserhöhungen eingepreist und bieten "attraktive Einstiegsgelegenheiten". Weitere interessante Sektoren für die beiden Manager sind Infrastruktur sowie Banken und Versicherungen. Im erstgenannten Fall sind es (neben den bereits erwähnten Telekommunikationsunternehmen) auch die Abfallwirtschaft und die Straßeninstandhaltung; kurz gesagt, "alles, was mit Netzen zu tun hat".

Die mit Anleihen verbundenen Risiken

Das Anleihesegment hat an Interesse gewonnen. Aber wie Kaldemorgen sagt, sehen die meisten Anleihen nicht so vielversprechend aus. Einerseits haben viele Staatsanleihen ihren Charakter als sicherer Hafen in den Portfolios verloren. Andererseits haben viele Unternehmensanleihen ihr Risiko (Ausfallrisiko) so stark erhöht, dass die höheren Renditen, die sie bieten, nicht ausreichen, um attraktiv zu sein. Bezeichnenderweise geben die beiden Manager an, dass der Anteil der Unternehmensanleihen im Fonds vor einigen Jahren etwa 30 % betrug, während er heute bei etwa 5 % liegt.

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