Lebensversicherungen

Lebensversicherungen zunehmend gefährdet, aber die Branche insgesamt wird sich halten

Verfasst von MoneyController am 24.02.2021

Die Versicherungsbranche ist im Wandel. Die niedrigen Zinsen zwingen viele Versicherungsanbieter dazu, ihr Geschäftsmodell zu ändern. Besonders betroffen sind die Lebensversicherungen. Nach Angaben der Ratingagentur Assekurata bieten nur noch 16 der größten 47 Versicherer Policen mit 0,9% Garantiezins an. Doch viele Branchenkenner - darunter auch Ergo-Chef Markus Rieß oder Allianz-Chef Oliver Bäte - gehen davon aus, dass diese Vertragsform nicht mehr zeitgemäß ist.

In der Zwischenzeit verändern Lebensversicherungen ihr Gesicht: Nicht nur, dass sie nicht mehr die hohen festen Renditen garantieren wie noch vor einigen Jahren, sondern sie beginnen auch andere grundlegende Garantien in Frage zu stellen. Die beiden wichtigsten sind: zum einen eine Art garantierte Rendite (wenn auch zunehmend eingeschränkt), zum anderen eine volle Garantie auf die eingezahlten Beträge. Die Allianz beispielsweise strukturiert Produkte mit einer Garantie auf die eingezahlten Beträge von 60% bis 90%. Der Mitbewerber R+V macht das Gleiche. Manche würden sogar so weit gehen - wie Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten - zu sagen, dass solche Angebote einer Bankrotterklärung der Versicherungswirtschaft gleichkämen.

Sicher ist, dass sich die Versicherungsunternehmen zunehmend dem Kapitalmarkt zuwenden, um ihre Rendite zu steigern. Das bedeutet natürlich auch eine Erhöhung der Risiken für das investierte Kapital. Traditionelle Policen garantieren im Durchschnitt (wie Notker Blechner in einem Artikel auf Tageschau.de schreibt) eine Gesamt- und Endrendite von 2,76%. Wenn sie aggressiver in den Kapitalmarkt investieren, erhöht sich die Rendite auf 2,86%. Abgesehen von dem höheren Risiko besteht das eigentliche Problem darin, dass sich diese Zahl auf den Stand bei Fälligkeit der Versicherungsverträge bezieht und viele Kunden nicht die Geduld haben, den Vertrag über die gesamte Dauer laufen zu lassen. In der Tat ist es so, dass viele Verträge vorzeitig gekündigt werden. Das bedeutet einen Kostenanstieg von 15-20%, was bedeutet, dass jegliche Rendite zunichte gemacht wird.

Wie sieht es also in der Branche insgesamt aus? Sinkende Garantien bei Lebensversicherungen ließen im vergangenen Jahr den Anteil der abgeschlossenen Verträge um 12% sinken. Es gibt jedoch auch diejenigen, die weiterhin optimistisch sind und glauben, dass dies nur eine vorübergehende Krise ist. Gemäß Aussage von Oliver Bäte, in einem bereits bekannten Interview mit dem Handelsblatt, wird die Versicherungsbranche nicht nur überleben, sondern auch die Lebensversicherung noch ein langes Leben haben. Bäte sieht aber auch eine Umstrukturierung des Marktes voraus. Mit anderen Worten: Es ist möglich, wenn nicht sogar wahrscheinlich, dass einige Anbieter nicht in der Lage sein werden, die Herausforderung der niedrigen Zinsen zu meistern. Ähnlich sieht es die BaFin: Sie leugnet zwar nicht die Schwierigkeiten in der Branche, erwartet aber keine systemische Krise in der Versicherungswirtschaft.

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