Lebensversicherungen

Wie reagieren die Lebensversicherer auf niedrige Zinsen?

Verfasst von MoneyController am 10.12.2021

Wie Lebensversicherer wissen, sind niedrige Zinsen bis zu einem gewissen Grad tolerierbar. Ja, aber wer legt diesen Punkt fest? Wie Philipp Krohn in der Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) ausführt, wird eine der Grenzen durch die Inflationsrate markiert. Welche Strategien verfolgen also die Lebensversicherer, um mit der Erosion der Renditen umzugehen?

Wie kann man die Inflation besiegen, wenn die Zinsen niedrig sind?

Angesichts einer Inflation von mehr als 5 % sind die Lebensversicherer gezwungen, eine Diskussion wieder aufzunehmen, die sie - wie Krohn betont - nicht wieder aufnehmen wollten. Wie kann den Versicherungsnehmern ein Vermögenszuwachs zugesichert werden, wenn der Verfall ihres Vermögens durch die Zinsen nicht aufgehalten werden kann? Am Montag gab der Marktführer Allianz die Richtung für den gesamten Markt vor, indem er ankündigte, seine Überschussbeteiligung gegenüber dem Vorjahr konstant zu halten. „Die garantierten Mindestleistungen im Bestand werden von den laufenden Erträgen in allen Jahren überdeckt", so der Produktchef der Allianz Leben, Volker Priebe. Zusätzlich zu den versprochenen Garantien könnte der Marktführer demnach bis zu 100 Milliarden als Überschussbeteiligung an die Kunden ausschütten. Dank dieser zusätzlichen Mittel begegnet die Allianz der Absenkung des Garantiezinses: Die durchschnittliche Garantie im Bestand von 1,4 % soll bis 2024 auf 0,09 % sinken. Wie Krohn richtig feststellt, handelt es sich dabei um eine nachhaltige Garantie, die auch bei ungünstigen Marktbedingungen leicht zu erreichen ist.

Auch andere Versicherer greifen auf die Überschüsse zurück

Mit Ausnahme der Ideal aus Berlin, die ihren Zinssatz bei 3 % beließ (begünstigt durch den Immobilienboom in der Hauptstadt), bestätigte die Swiss Life aus München zum siebten Mal in Folge eine Überschussbeteiligung von 2,25 %, ebenso wie die Nürnberger und die LV 1871, mit konstanten 2,25 % bzw. 2,4 %, während die Alte Leipziger die Verzinsung von 2,35 % auf 2,1 % senkte. In Krohns Artikel wird die Meinung von Reiner Will, Geschäftsführer der Ratingagentur Assekurata, erwähnt. Da zumindest in Europa keine Zinserhöhungen zu erwarten seien, sollte man, nach Meinung des Experten, auch nicht mit einem Anstieg der Verzinsung bei Lebensversicherungen rechnen. Gleichzeitig ist jedoch auch nicht mit einem Rückgang unter 2 % zu rechnen: Bei modernen Policen ist die Verbindung zum Nominalzins weniger wichtig, und der reale Mehrwert in Bezug auf die Rendite für den Kunden bleibt die Überschussbeteiligung.

Das neue Gesicht der Lebensversicherung

Immerhin ist es die Allianz, die darauf hinweist, dass Verträge mit abgesenkter Garantie bei den Kunden, die diese Neuerung angenommen haben, inzwischen sehr verbreitet sind. Der niedrigere Zinssatz bedeutet in der Tat auch mehr Investitionsmöglichkeiten. Wo? In aussichtsreicheren Wertpapieren, die sowohl an der Börse als auch außerbörslich gehandelt werden, wie es bei der Hälfte bzw. einem Drittel des Kollektivvermögens der Fall ist. Kurzum, der Wandel in der Lebensversicherung ist bereits im Gange. Wenn man an diesem Prozess etwas bemängeln wollte, dann wäre wohl erwähnenswert, was Will von Assekurata sagt: Er befürwortet diesen neuen Ansatz natürlich, fordert aber die Versicherer auf, an dem wichtigen Thema der Transparenz zu arbeiten, damit die Kunden wissen, wo ihr Geld angelegt wird und woher ihre Rendite kommt.

MEISTGELESENE ARTIKEL VON HEUTE

MEISTGELESENE ARTIKEL DER WOCHE

MEISTGELESENE ARTIKEL DES MONATS

MEISTGELESENE ARTIKEL DES FINANZFORUMS

Klassifikation anschauen