Investmentfonds

Wie viel kostet die EU-Offenlegungsverordnung die Fondsbranche?

Verfasst von MoneyController am 14.05.2021

Am 10. März trat die EU-Offenlegungsverordnung in Kraft. Die Standesorganisation aller Investment Professionals in den deutschen Finanz- und Kapitalmärkten (DVFA) hat diesbezüglich eine Umfrage unter ihren 1.400 Mitgliedern durchgeführt und einige kritische Aspekte herausgearbeitet, die die Einführung der Maßnahme mit sich bringen würde.

Bankern, Portfoliomanagern, Finanz- und Vermögensberatern scheint die EU-Offenlegungsverordnung eher ein Dorn im Auge zu sein als ein Schritt nach vorne. Dies geht zumindest aus der Pressemitteilung des DVFA hervor, in der es heißt, dass diese neue Regelung zu einer suboptimalen, für manche sogar schlechten, Kapitalallokation führen könnte. Im Mittelpunkt der neuen Verordnung stehen zwei wichtige Aspekte: Zum einen die Nachhaltigkeitsrisiken, zum anderen die "negativen Nachhaltigkeitswirkungen" oder auf Englisch "PrincipalAdverse Impact" (PAI). Anbieter und Berater sind nun verpflichtet, ihren Kunden gegenüber deutlich zu machen, wie sie diese Aspekte handhaben und berücksichtigen.

Darüber hinaus stellt die Verordnung genaue Anforderungen an nachhaltigkeitsorientierte Produkte und teilt sie in zwei Kategorien von Investmentfonds ein, je nachdem, ob die nachhaltigen Projekte, die sie verfolgen, generisch sind oder nicht.

Mit der Einführung dieser Maßnahmen werden nun die Kosten für Beratung und Vermögensverwaltung steigen, eben um den Anforderungen des europäischen Rechts zu entsprechen. Um eine Vorstellung zu bekommen, fragte die DVFA ihre Mitglieder, mit welchen zusätzlichen Kosten ein Unternehmen mit einem verwalteten Vermögen von einer Milliarde Euro pro Jahr rechnen müsse. Die Zahlen, die dabei herauskamen, sind sehr unterschiedlich. Allerdings sind 32 % der Meinung, dass die Zusatzkosten zwischen 30.000 und 50.000 Euro pro Jahr liegen dürften. 19 % glauben, dass sie sich im Bereich von 10.000 und 30.000Euro bewegen werden, während 27 % glauben, dass sie zwischen 50.000 und 100.000 Euro liegen.

Einer der pessimistischsten, aber interessantesten Kommentare betrifft die Tatsache, dass die ESG- und Nachhaltigkeitsdebatte in gewisser Weise eine Form der Planwirtschaft zu sein scheine. Aus diesem grundlegenden Defekt könnten Ineffizienzen resultieren - zu denen für einige auch die EU-Offenlegungs verordnung gehört -, die zu einem Anstieg der marktrelevanten Kosten führen würde. Für manche sind die Regulierungen daher kein Anreiz, nachhaltig zu investieren, sondern eher das Gegenteil.

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