Green economy - green bond

Klimawandel und Negativzinsen

Verfasst von MoneyController am 13.01.2020

Bei den letzten Sitzungen der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds gab es zwei Hauptthemen: Klimawandel und Negativzinsen.

Bekannterweise verbreitet sich eine Idee sehr schnell, wenn die Zentralbanken beginnen, sie sich zu eigen zu machen.

Dies ist die wichtigste Botschaft der letzten Tage von der intensiven Woche der Jahrestagungen der Gouverneursräte der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds in Washington.

Welche Ideen setzen sich also durch?

Eine Idee betrifft die Wichtigkeit des Klimawandels und der Umwelt und die entsprechende Makro- und Mikropolitik. Die andere ist die wachsende Opposition gegen negative Zinssätze.

Jedes Jahr finden die von der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds organisierten Treffen statt. Es ist eine besondere Gelegenheit, sich zu treffen und um Ideen auszutauschen mit den politischen Vertretern der Schwellenländer und Geberländer, den Entwicklungsagenturen, den Zentral- und Geschäftsbanken  sowie Investoren.

Es ist kein Geheimnis, dass in diesem Jahr die Themen Klimawandel und Umwelt in den Medien zunehmend an Bedeutung gewonnen haben. Vor einige Monaten, als wir uns auf dieses Ereignis vorbereiteten, hätten wir jedoch nie gedacht, dass sie die Agenda dominieren würden.

Beispielsweise wurden in Sitzungen der Höhepunkt des globalen Energieverbrauchs, die Wichtigkeit der Wälder, die Aussichten für einen globalen ökologischen New Deal, die Erreichung nachhaltiger Entwicklungsziele und  der verborgene Wert der biologischen Vielfalt diskutiert, sowie die Chancen erörtert einen „Minsky Klimamoment“ zu vermeiden.

Vor allem ist darauf hinzuweisen, dass Kristalina Georgieva in einer ihrer ersten Reden als neue Generaldirektorin des IWF die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, indem sie gefragt hat: „Sind Zentralbanken in der Lage, den Klimawandel zu bekämpfen?“.

Offensichtlich will Frau Georgieva, dass die Zentralbanken weltweit Klima- und Umweltfragen in den Mittelpunkt der Geldpolitik rücken. Gleichzeitig hat Frau Georgieva jedoch immer wieder betont, dass all dies auch für die mikroprudenzielle Gesetzgebung von großer Bedeutung ist, zum Beispiel, um sicherzustellen, dass die auf den Liegenschaften an den Küsten gewährten Kredite oder die an kohlebetriebene Infrastrukturen ausgezahlten Kredite den Risiken Rechnung tragen.

Die Zentralbanken passen sich immer mehr der Botschaft des Klimawandels an. Überraschender ist vielleicht die immer klarer werdende Kritik, dass sich die Zentralinstitute zu negativen Zinssätzen bewegen. Wie kommt es, dass die Zentralbanken eines ihrer geldpolitischen Instrumente in Frage stellen – eines der wenigen Mittel, mit denen man das Gespenst einer Finanzkrise oder einer tiefen Rezession vertreiben könnte.

Die Antwort ist natürlich die, dass die Banken, die bei den Sitzungen der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds vertreten sind, nicht die aus Nordamerika, Europa, Japan und Australien, sondern die der Schwellenländer sind.

Immer wieder haben uns die Delegierten dieser Zentralbanken an die Bemühungen ihrer Länder erinnert, nach den wiederholten Krisen der Schwellenländer in den späten 90er Jahren, um die „Orthodoxie“ der Industrieländer zu übernehmen, nämlich die von unabhängigen Zentralbanken festgelegten Ziele der Preisstabilität und gleichzeitig die Einleitung von Strukturreformen. Die erzielten Ergebnisse waren robustes Wachstum, mäßige Inflation und die realen positiven Zinsen, die wir heute im größten Teil der Schwellenländer sehen.

Die nicht allzu verschleierte Botschaft lautet: Die Entwicklungsländer haben sich vor 20 Jahren in Ordnung gebracht, aber die erzielten Fortschritte sind jetzt durch die extreme Geldpolitik der reicheren Länder und durch das Fehlen von Strukturreformen gefährdet, wie auch durch  entscheidende Eingriffe in die Haushaltspolitik von eben diesen Ländern,.

Vielleicht ist es kein Zufall, dass die Schwellenländer unter den Auswirkungen des Klimawandels und dem Scheitern der Finanz- und Geldpolitik in hohem Maße leiden müssen. Es sind Ängste, die im Laufe der Zeit immer heftiger werden. Aber wenn die Stimmen der Männer in Jacke und Krawatte, die über die Politik der Zentralbank entscheiden, in den Chor aufgenommen werden, wissen umsichtige Anleger, dass sie schon längst darauf hätten hören sollen.

Lassen Sie uns noch eine letzte Bemerkung machen. Obwohl die Eurozone eine Phase der wirtschaftlichen Abkühlung erlebt und damit einen Kontext schwacher Fundamentaldaten schafft, der die Anleihen des alten Kontinents unter Druck setzt, wirken sich positive technische Faktoren, wie das anhaltende Wachstum von Wertpapieren mit negativen Renditen aus, die die Anleger zu mehr Instrumenten mit hohen Rendite drängen und dadurch die Nachfrage nach auf Euro lautenden High Yield Unternehmensanleihen zu stützen.

Dieses Tauziehen trägt zur Stabilisierung des Marktes bei, indem die Spreads in einem relativ engen Bereich gehalten werden. Wenn wir jedoch über den Anschein hinausblicken, ist die Verbreitung unter Sektoren und Emittenten von High Yield Unternehmenskrediten in Europa auf dem höchsten Niveau seit der Staatsschuldenkrise von 2011. Als Beispiel: Der Sektor der Metallurgie- und Bergbauindustrie mit einem Rating von B verlor im dritten Quartal -5%, während der europäische HY-Markt eine positive Performance von 1,3% erzielte.

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