Vermögensverwaltung

Finanzkonzerne wissen nicht genug über das Klimarisiko ihrer Investitionen

Verfasst von MoneyController am 29.04.2021

Das Thema Nachhaltigkeit und der Kampf gegen die globale Erwärmung stehen in vielen Bereichen der Wirtschaft auf der Tagesordnung, auch beim Finanzsektor. Doch wie viel tun die Finanzdienstleister tatsächlich, um ein größeres Bewusstsein zu schaffen? Sind sie sich z.B. aller - auch indirekter - Konsequenzen ihrer Aktivitäten aus klimatischer Sicht und der Klimarisiken, denen ihr investiertes Kapital unterliegt, bewusst?

In einem Artikel in der Frankfurter Allgemeine Zeitung führt Philipp Krohn zwei widersprüchliche Fakten an. Einerseits haben sich vor einigen Tagen eine Reihe von Banken der Net Zero Banking Alliance der Vereinten Nationen angeschlossen, einem Projekt, das Nachhaltigkeit als eines seiner Hauptziele verfolgt. Auf der anderen Seite hat der britische Betreiber einer ökologischen Finanzdatenplattform, CDP, darauf hingewiesen, dass Banken und Finanzinstitute nicht genug tun, um ihren Kunden einen umfassenden Überblick über die Folgen und Klimarisiken ihrer finanziellen Aktivitäten zu geben.

Das Paradoxon kann folgendermaßen erklärt werden. Obwohl sich die großen Finanzakteure zu den „Principles for Sustainable Investment“ bekennen, zeigt sich auf Basis der von ihnen selbst zur Verfügung gestellten Daten, dass die von ihren Portfolios finanzierten Aktivitäten das 700-fache der Treibhausgas-Emissionen verursachen wie der Ausstoß der eigenen Geschäftstätigkeit. Der Branchendurchschnitt liegt beim 11-fachen (was bedeutet, dass die Produktionskette mehr als das Zehnfache beträgt als die reine Herstellung des Endprodukts).

Diese Zahlen sind sogar noch höher, wenn man die 332 Finanzkonzerne betrachtet, die an der Umfrage teilgenommen haben. Wie Krohn gut erklärt, sind diese Zahlen aus zwei Gründen so hoch. Der erste ist, dass Kapitalmanagement-Aktivitäten - und das ist auch intuitiv verständlich - isoliert betrachtet eine geringe Wirkung hinsichtlich CO2 haben. Der zweite ist jedoch der durch Investitionen hervorgerufene Hebeleffekt, der als Multiplikator der Emissionen wirkt (Investitionen zielen natürlich auf das Wachstum von Unternehmen und Dienstleistungen ab und wirken sich darauf aus).

Zu diesem Problem kommt nun noch hinzu, dass nur ein Viertel der 332 von der Plattform CDP berücksichtigten Finanzkonzerne in der Lage war, umfassende Daten zu den mit ihren Aktivitäten verbundenen Klimarisiken bereitzustellen. Zudem konnte generell nur die Hälfte der Unternehmen die Frage beantworten, wie sie zum Ziel beitragen könnten, die Klimaerwärmung auf unter 2 Grad einzudämmen (im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter). Schließlich stellt sich die Frage nach der Gefährdung des Kapitals durch den Klimawandel selbst; 65 % der in der Studie befragten Unternehmen erwähnen dies gegenüber ihren Kunden nicht. Es ist jedoch wichtig, die Anbieter zu nennen, die der Studie zufolge die Auswirkungen ihrer Portfolios ganz klar aufzeigen: Allianz und Axa, sowie die Banken BNP Paribas, HSBC Holdings, Legal and General, Raiffeisen Bank International und Société Générale.

Es besteht jedoch Grund zur Hoffnung, dass sich die Dinge in Zukunft immer weiter verbessern werden: Acht von zehn Banken und sechs von zehn Versicherern sprechen mit ihren Kunden über das Thema Klima (die Versicherer konzentrieren sich stärker auf Klimarisiken). Das Thema wird somit als wichtig angesehen, und es ist wahrscheinlich, dass immer mehr Akteure sich bemühen werden, die Umweltauswirkungen ihrer Portfolios sowie die immer größer werdenden Umweltrisiken zu beleuchten.

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