Immobilien

Hauspreise treiben die Inflation noch höher

Verfasst von MoneyController am 24.06.2021

Ein wichtiger Inflationsschub in der Eurozone könnte unerwartet aus dem Immobiliensektor kommen. Der Grund dafür ist jedoch nicht das plötzliche Wachstum des Marktes, sondern die Aufnahme eines zusätzlichen Parameters in die Messkriterien. Darüber schreibt auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) in einem Artikel von Christian Siedenbiedel.

Der EZB-Rat hat in einer Klausurtagung beschlossen, die Preise für selbstgenutzte Wohnimmobilien in die Inflationsberechnung einzubeziehen, wie es in den USA der Fall ist. Die Bundesregierung gilt als einer der Hauptbefürworter der Maßnahme, da - wie auch aus einer Umfrage der Bundesbank hervorgeht - die im Harmonisierten Verbraucherpreis-Index (HVPI) gemessene Inflationsrate als nach unten verzerrt wahrgenommen wird. Bundesbankpräsident Jens Weidmann hat bereits angedeutet, dass die Einbeziehung der Daten die Inflation auf Quartalsbasis um einen eher geringen Betrag, nämlich um 0,2-0,3 %, erhöhen dürfte.

Es gibt jedoch einige Hindernisse, bevor dieser neue Parameter angewendet werden kann. Die europäische Statistikbehörde Eurostat erhebt die Daten und liefert sie der EZB. Wie ein Sprecher der Eurostat mitteilte, ist eine Änderung der europäischen Verordnung 2016/792 nötig, um diesen neuen Parameter in die Berechnung einzubeziehen. Aus politischer Sicht scheint es keine besonderen Hindernisse zu geben, auch wenn es aus Gewerkschaftskreisen für sinnvoller gehalten wird, die Mieten noch stärker zu gewichten, anstatt die wohlhabenderen Immobilienbesitzer im Index zu berücksichtigen. Die einzige wirkliche Schwierigkeit besteht, wie die Statistiker anmerken, in jedem Fall in den Berechnungsverfahren: Zunächst wäre es notwendig, die Kosten für selbstgenutztes Wohneigentum zu ermitteln und sie dann vom Wertzuwachs der Immobilie zu trennen; außerdem wären genaue Daten zu den Immobilienpreisen erforderlich, Daten, die bisher nur vierteljährlich erhoben werden.

Einer der Gründe, die den Vorschlag zur Aufnahme dieses neuen Parameters beschleunigt haben, ist natürlich der deutliche Anstieg der Hauspreise. Im vierten Quartal 2020 stiegen die Immobilienpreise gegenüber dem Vorjahr um 5,8 %. Tatsächlich hat die Corona-Krise den schnellsten Preisanstieg seit 2007 nicht verhindert. Deutschland gehört (zusammen mit Frankreich und den Niederlanden) zu den Ländern, die am meisten zu diesem Anstieg beitragen.

Wie es auch die FAZ tut, sei daran erinnert, dass die Inflation im Mai in der Eurozone auf 2 % und in Deutschland auf 2,5 % gestiegen ist. Zu den wichtigsten Ursachen gehört der Anstieg der Energiepreise, aber nicht nur. In den Vereinigten Staaten hat die Inflation 5 % erreicht, und diese Zahl wurde definitiv durch den Anstieg der Immobilienpreise beeinflusst. Der Betrag, der in den Vereinigten Staaten im Durchschnitt für den Kauf eines Hauses benötigt wird, liegt bei 350.300 Dollar. Das ist ein beeindruckender Anstieg: +23 % innerhalb eines Jahr.

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