Finanzmärkte / Wirtschaft

Inflation und Demografie gehen Hand in Hand

Verfasst von MoneyController am 22.04.2021

Viele Kommentatoren ersetzen in diesen Tagen das Wort "Kommunismus" durch das Wort "Inflation" in Karl Marx' berühmtem Satz "ein Gespenst geht um in Europa, das Gespenst des…". Abseits der mehr oder weniger berechtigten alarmistischen Töne lohnt es sich, die Ursachen für ein so wichtiges Phänomen zu beleuchten.

Die Investmentgesellschaft DWS hat eine Studie veröffentlicht, in der sie die Ursachen der Inflation analysiert, ein Phänomen, das Deutschland in diesem Jahr stärker als in den Vorjahren erleben wird. Es ist kein Phänomen das allein auf die Bundesrepublik Deutschland beschränkt ist. Auch die Finanzmärkte sind durch die Inflation in Aufruhr; sie wirkt sich insbesondere auf die Anleiherenditen aus und mindert den Wert von Finanztiteln im Allgemeinen.

Es ist jedoch wichtig, eine Unterscheidung zu machen. Es gibt sowohl kurzfristige als auch langfristige Gründe für die Inflation, die wir gerade sehen. Kurzfristig sollten wir, wie Martin Moryson,Chefvolkswirt Europa der DWS, betont, nicht einmal von Inflation sprechen, sondern lediglich von Preissteigerungen - vor allem, wenn es sich um einmalige Erhöhungen handelt. Anders verhält es sich jedoch, wenn es sich um einen wiederkehrenden, kontinuierlichen Anstieg handelt. Genau dann kann man zu Recht von Inflation sprechen.

Nun ist Inflation nicht einfach ein Phänomen, das durch das Vorhandensein oder Fehlen einer so genannten "Überhitzung" der Wirtschaft beeinflusst wird, d.h. durch einen übermäßigen Geldumlauf angesichts eines plötzlichen Nachfrageanstiegs (was nur eines der möglichen Szenarien ist, mit denen wir in den kommenden Monaten konfrontiert werden könnten). Die Inflation wird von wirtschaftlichen Makro-Phänomenen wie der Globalisierung und der Automatisierung beeinflusst. Vor allem die beiden letztgenannten Phänomene haben dazu beigetragen, die Inflation in den letzten Jahren niedrig zu halten. Und es ist zu erwarten, dass sie auch in Zukunft in diese Richtung wirken werden, da sie tendenziell die Produktionskosten und die Preismacht von Produzenten und Händlern reduzieren.

Es gibt jedoch ein Phänomen, das im Gegenteil dazu führen könnte, dass die Inflation in den kommenden Jahren strukturell ansteigt, und dies ist kein wirtschaftliches, sondern ein demografisches Phänomen: die Alterung der Bevölkerung. Die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter ist nämlich dazu vorbestimmt, im Laufe der Zeit proportional immer mehr abzunehmen; in einigen Fällen sogar absolut gesehen. Das bedeutet einen Produktionsrückgang, der nur durch eine höhere Produktivität kompensiert werden kann. Da diejenigen, die nicht arbeiten, jedoch weiterhin konsumieren, würde ohne eine (unwahrscheinliche) Produktivitätssteigerung folgendes Phänomen entstehen: eine steigende Konsumnachfrage gegenüber einer sinkenden Warenproduktion. Die Regel des Gleichgewichts zwischen Angebot und Nachfrage würde an diesem Punkt unerbittlich wirken. Die Preise würden weiter steigen, um dieses Gleichgewicht zu erreichen.

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