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In Japan investieren, trotz allem

Verfasst von MoneyController am 03.02.2021

In vielen Marktanalysen zu Asiens Wachstumsaussichten wird Japan routinemäßig ausgeklammert. Der Grund dafür ist, dass man denkt, dass es sich um einen Sonderfall handele. Während viele asiatische Länder in Bezug auf das Wirtschaftswachstum als sehr vielversprechend gelten, wird Japan als ein Land im Abstieg betrachtet. Hinter dieser Ausgrenzung stecken jedoch Vorurteile, die es zu überwinden gilt. Sophia Li, Fondsmanagerin bei FSSA Investment Managers, hat versucht, dieses Thema genauer unter die Lupe zu nehmen.

Eine Wirtschaft, die nicht wächst

Es ist wahr: Japans Wirtschaft ist seit Ende der 1990er Jahre nur um 4% gewachsen. Aber das Wachstum des Aktienmarktes und sein Potenzial allein mit dem BIP zu korrelieren, ist ein Fehler. Obwohl die Wirtschaft in den Augen außenstehender Beobachter zu stagnieren scheint, sind die Unternehmensgewinne in den letzten zwanzig Jahren um 180% gestiegen. Es ergibt sich folglich ein Bild einer recht dynamischen Wirtschaft. Dass dies wenig bekannt ist, ist normal: Externe Beobachter kennen große Unternehmen wie Sony, Panasonic, Toyota, Honda und Nissan, während sie mit dem Rest des japanischen Marktes viel weniger vertraut sind.

Eine zu alte Bevölkerung

Japans Bevölkerungszahlen sind auf den ersten Blick beeindruckend: Bis zum Jahr 2050 wird der Anteil der über 65-Jährigen an der Gesamtbevölkerung voraussichtlich 38 % betragen (heute liegt er bei 28 %). Für Sophia Li hat Japan jedoch die Ressourcen und die nötigen Fähigkeiten, sich für die Zukunft zu rüsten. Schon jetzt richtet sich der japanische Produktionsapparat darauf aus, die künftige Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen adäquat zu decken. Man darf außerdem nicht vergessen, dass Japan auf den asiatisch-pazifischen Markt zählen kann, der allein 60 % der Weltbevölkerung ausmacht. In diesem Markt sind japanische Produkte mit dem Ruf hoher Qualität verbunden. Innovation wird das Herzstück der industriellen Entwicklung sein: Insbesondere Automatisierung und Robotik stellen nicht nur einen der stärksten wirtschaftlichen Träger der zukünftigen japanischen Entwicklung dar, sondern sind auch einer der Bereiche, in denen Japan in fast allen Weltranglisten an der Spitze steht.

Wenig Konkurrenz

In Japan scheint sich der Markt stabilisiert zu haben. Es gibt nicht viel Platz für neue Unternehmen, und Risikokapital (Venture Capital) hat es schwer, Fuß zu fassen. Obwohl diese Kritik begründet ist, entspricht diese Situation dem Willen der Japaner selbst: Junge Leute neigen zum Beispiel eher dazu, in gut etablierten und nicht besonders risikoreichen Unternehmen zu arbeiten, als neue Firmen aus dem Nichts aufzubauen. Anleger, die auf Nummer sicher gehen und in solide, langfristig profitable Unternehmen investieren wollen, sollten daher einen Blick auf Japan werfen.

Wenige Qualitätsunternehmen

Viele ausländische Beobachter sind der Meinung, dass es dem japanischen Markt - abgesehen von den großen internationalen Giganten - an Qualitätsunternehmen mangelt. Dies liegt daran, dass es keine Unternehmen mit besonders hohen finanziellen Anreizen fürs Management gibt. Sophia Li argumentiert jedoch, dass es falsch sei, zu denken, dass Ausschüttungen notwendigerweise mit der Qualität eines Unternehmens übereinstimmten: Aus dieser Sicht sind die östlichen Qualitätsstandards anders als die westlichen. Die japanische Kultur konzentriert sich lieber auf ein stabiles, langfristiges Wachstum, das auf zuverlässigen, langlebigen Produkten und Dienstleistungen basiert, als auf kurzfristig hohe Nettoeinnahmen.

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