Immobilien

Immobilienmarkt: vor einer Blase?

Verfasst von MoneyController am 18.01.2020

Befindet sich der deutsche Immobilienmarkt in einer Immobilienblase? Das hat sich der Commerzbank-Ökonom Marco Wagner gefragt, der einen in der Finanzwelt verruchten Namen nannte: Lehman Brothers. Die Mitteilung der Commerzbank trägt den Titel „Immobilienboom wie vor Lehman“.

Hintergrund dieser Aussage ist das stetige Wachstum des deutschen Immobilienmarktes. Im Jahr 2018 erzielte der Markt der Bundesrepublik – unter Berücksichtigung von Grundstücken, Häusern und Wohnungen – einen Umsatz von 269 Milliarden Euro. Im Vergleich zu 2018 stieg der Immobilienpreis im Jahr 2019 noch um 4,9%. Das Wachstum war nicht überall gleich und hing von der Größe der Städte ab. In den sieben deutschen Großstädten (Berlin, Hamburg, München, Stuttgart, Düsseldorf, Köln und Frankfurt) stiegen die Preise für Wohnungen und Häuser um 9% bzw. 7,5%. In mittelgroßen Städten (mit mehr als 100.000 Einwohnern) verzeichneten die Häuser eine Wertsteigerung von 8%, während die Eigentumswohnungen ihren Wert um fast 6% erhöhten. In kleineren Zentren stiegen die Preise um 5% bzw. 4,5%. Wenn man den Quadratmeterpreis der Häuser in den verschiedenen deutschen Städten vergleicht, deren Durchschnitt in Deutschland bei 1750 Euro liegt, ist das Ergebnis wirklich überraschend: In einigen Münchener Stadtteilen erreichen die Preise 10.200 Euro pro Quadratmeter; Im Kyffhäuserkreis beträgt der Mindestpreis 410 Euro pro Quadratmeter.

Das Problem ist, dass es auch in anderen Teilen Europas zu einem raschen Anstieg der Immobilienpreise kommt. Wenn in Deutschland der Anstieg im vergangenen Jahr 5% betrug, betrug er in Ungarn 15%, in Luxemburg, Portugal, der Tschechischen Republik und Kroatien 9% und in Holland und Polen 8%. Frankreich hingegen verzeichnete einen Anstieg von nur 3% und Italien sogar eine leichte Verminderung. Aber auch wenn das Wachstum unterdurchschnittlich war, bleibt der Immobiliensektor, der überall Milliarden von Euro wert ist, gefährdet. In Frankreich beispielsweise verdoppelte sich der Wert der Häuser gegenüber dem Wert vor dem Platzen der Lehman-Blase. Nach einem ähnlichen Anstieg meldeten die Ökonomen der Commerzbank, eine kritische Schwelle überschritten zu haben – Der Wert dieser Immobilien würde 15% über ihrem tatsächlichen Wert liegen.

Wenn das Phänomen, das wir beobachten, in gewisser Weise an die Ereignisse vor der Lehman-Krise erinnert (rasche Aufwertung der Häuser und dann ein plötzlicher Wertverlust), halten aber die Bundesbank und die Europäische Zentralbank die Situation nicht nur unter Kontrolle, sondern sie versuchen auch jeden Alarmismus zu vermeiden. Die Bundesbank sprach zum Beispiel von „Übertreibungen“ der Preisen und bestritt, dass wir vor einer Blase stünden. Ebenso überwacht die Europäische Zentralbank die Situation ständig durch das European Systemic Risk Board (ESRB). Für einige würde jedoch die expansive Geldpolitik der Union die Immobilienblase aufblähen. Diese These muss jedoch noch nachgewiesen werden und man sollte nicht vergessen, dass die EU über wesentlich wirksamere makroprudenzielle und Interventionsinstrumente als vor der Lehman-Krise verfügt.

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