Finanzmärkte / Wirtschaft

Hier ist der Ausblick für die Deutsche Börse

Verfasst von MoneyController am 12.02.2021

In einer Pressekonferenz am Donnerstag (der ein interessanter Artikel in der Frankfurter Allgemeine Zeitung folgte) zog der Chef der Deutschen BörseTheodor Weimer ein Resümee über die Geschäftsaktivitäten seines Unternehmens. Ein Geschäft, das natürlich mit der allgemeinen deutschen und europäischen Finanzsituation verflochten ist.

Zu viel Bürokratie

Weimer ist kein Feind von Regeln, aber er hält die derzeitige Regulierung für einen strukturellen Defekt der hiesigen Finanzmärkte. Das Problem sind nicht die strengen Aufsichtsregeln, sondern das komplizierte System der Kontrolle und Rechenschaftspflicht, das Überschneidungen und Bürokratie mit sich bringt. Die Folge ist, dass immer mehr Unternehmen darüber nachdenken, ihre Börsennotierungen nach Amerika zu verlagern, wo weniger komplizierte Regeln gelten. Was Weimer aber am meisten stört, ist die Tatsache, dass sein Unternehmen, wie vorgeschlagen, von der BaFin als „Finanzholding“ eingestuft werden könnte. Dies bedeutet noch größere Kontrolle und Rechenschaftspflicht. Was Weimer an diesem Punkt am meisten ärgert, ist, dass die Deutsche Börse gar nicht als Finanzholding gelten kann.

Das Geschäft der Deutschen Börse

Die Bilanz der Unternehmensaktivitäten ist ausgesprochen positiv: Umsatz und Nettogewinn stiegen jeweils um 9% auf 3,2 Mrd. Euro bzw. 1,2 Mrd. Euro. Der Börsenkurs - nicht verwunderlich, die Deutsche Börse ist ein börsennotiertes Unternehmen wie viele andere - hat sich gut entwickelt: Die Aktien sind jetzt 3 Euro pro Stück wert, ein Plus von 3% seit Jahresbeginn. Das Unternehmen hat in 2020 von der starken Aktivität an der Börse nach der Coronavirus-Krise profitiert. Das größte Geschäft sind nach wie vor die Derivate, die ein Drittel des Umsatzes ausmachen. Insbesondere das Sicherheitenmanagement wuchs (wie in Zeiten der Unsicherheit üblich) um mehr als ein Drittel und erreichte die Marke von 100 Milliarden Euro hinterlegte Sicherheiten.

Die Perspektiven der Deutschen Börse

Viele Argumente bringen Weimer zu der Überzeugung, dass das Geschäft der Deutschen Börse in den kommenden Jahren sicher weiter wachsen kann. Da ist das große Thema der ESG-Investments, die zunehmend die Aufmerksamkeit des Marktes und der Investoren gewinnen. Seitens des Datenmanagements hat das Unternehmen zudem einen der Marktführer im Bereich Analytik, die amerikanische ISS, unter großem Beifall der Branchenteilnehmer übernommen. Ein weiteres wichtiges Thema sind die Kryptowährungen, die zunehmend in den Fokus institutioneller Investoren rücken. Und nicht zuletzt das Interesse jüngerer Menschen am Online-Trading (siehe den Fall GameStop). Auch wenn Weimer nicht glaubt, dass diese Tätigkeit das Herzstück eines Unternehmens mit dem soliden Ruf der Deutschen Börse sein kann, so ist doch festzustellen, dass wir dank des Internets eine fortschreitende Retailisierung erleben.

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