ESG - Nachhaltigkeit

Auch ESG-Kriterien haben ihre Grenzen

Verfasst von MoneyController am 25.05.2021

Das positive Potenzial von ESG-konformen Investitionen ist zweifelsohne enorm. Zusammengefasst könnte man sagen, dass es sich um eine Art von Investition handelt, die unter anderem das Ziel hat, die Welt zu verbessern. Allerdings haben genau diese ESG-Kriterien auch ihre Grenzen, insbesondere im Hinblick auf eine umfassendere Analyse eines Unternehmens. Das erklärt Abhishek Parajuli, Investmentmanager bei Baillie Gifford, in einem Artikel der Zeitschrift "Das Investment".

Parajuli zeichnet die Geschichte von Jio nach, einem indischen Tech-Unternehmen, das von Mukesh Ambani, dem Eigentümer des Ölkonzerns Reliance, gegründet wurde. Innerhalb weniger Jahre hat Jio das Leben von 400 Millionen Indern verändert, indem es ihnen endlich ermöglicht hat, kostengünstig und schnell miteinander zu kommunizieren und auf das Internet zuzugreifen. Wenn das Kürzel ESG auch bedeutet, das Leben der Menschen konkret zu verbessern, sollte ein solches Unternehmen eine gewisse Anerkennung verdienen. Im Gegenteil, nach den Nachhaltigkeitskriterien handelt es sich um ein Unternehmen mit "hohem Risiko" und mit einem niedrigen Rating von CCC. Warum?

Für Parajuli ist der Grund klar: Die "soziale" ("S") Komponente von ESG-Investments ist schwer zu messen. Die "Umwelt"-Bewertung ("E" in "Enviromental") basiert im Wesentlichen auf einer Bewertung der Lieferkette und der Energiequellen, aus denen sie sich speist. Die Komponente "Governance", also wie das Unternehmen geführt wird, kann einfach durch das Ausfüllen von Fragebögen gemessen werden. Die Messung des sozialen Nutzens, den ein Unternehmen für die Gesellschaft erbringt, ist dagegen viel komplizierter, wenn nicht gar unmöglich, um sie mit einer "sauberen Zahl" auszudrücken, wie Parajuli schreibt.

Bewertungen im Zusammenhang mit ESG-Kriterien können laut Parajuli nützliche Informationen liefern, aber man sollte sich nicht ausschließlich auf sie verlassen, um ein Unternehmen zu bewerten. In einigen Ländern, z. B. in Entwicklungsländern, sind diese Daten schwieriger zu bekommen (unterschiedliche "Governance"-Standards oder nicht verfolgte Lieferketten). Das Risiko solcher Bewertungen besteht darin, die sofortige Verfügbarkeit der Daten eines Unternehmens zu belohnen und nicht die wahre Natur des Unternehmens selbst. Darüber hinaus zitiert Parajuli zwei Studien, eine vom MIT in Boston und die andere von der OECD, die Folgendes feststellen: Verschiedene Bewertungen hinsichtlich der Einhaltung der ESG-Kriterien desselben Unternehmens sind manchmal widersprüchlich.

All dies bedeutet, wie Parajuli abschließend feststellt, keineswegs, dass man das ESG-Kriterium bei der Bewertung seiner Investitionen ausschließen sollte. Im Gegenteil, es dient der Vervollständigung, um nicht nur in die am wenigsten umweltbelastenden Unternehmen zu investieren, sondern auch in solche, die innovativer und zukunftsorientierter sind.

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