Staatsanleihen und Zinsen

Wie viel verdient Deutschland an den Bundesanleihen?

Verfasst von MoneyController am 14.09.2021

Ist es möglich, dass es ein Finanzprodukt gibt, das so gut ist, dass Anleger dafür bezahlen, nur um es zu besitzen, anstatt etwas daran zu verdienen? Ja, die Rede ist von deutschen Staatsanleihen, mit denen der Staat bisher viel Geld verdient hat.

Am Montag hat die Nachrichtenagentur Reuters das Antwortschreiben der Finanzstaatssekretärin Sarah Ryglewski an den Abgeordneten der Linken Fabio De Masi erhalten und veröffentlicht. In dem Schreiben heißt es, dass die Bundesrepublik seit Jahresbeginn bereits 4,251 Milliarden Euro aus den Zinsen der begebenen Staatsanleihen vereinnahmt habe. Achtung, es handelt sich also nicht um Geld, das später zurückgezahlt werden muss, sondern um einen Nettogewinn, der sich aus den von den Käufern gezahlten Negativzinsen ergibt. Bis August hat die Finanzagentur den Investoren übrigens mehr als 275 Milliarden Euro in deutschen Staatsanleihen zu einem Negativzins von 0,55% zugeteilt. An Käufern mangelte es nicht, die Zeichnungsnachfrage überstieg das Angebot um das 1,72-Fache.

Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtet, kam De Masi zu dem Schluss, dass Deutschland noch mehr Schuldverschreibungen an den Märkten hätte platzieren können. Zum jetzigen Zeitpunkt könne man nicht von einem Schuldenproblem in Deutschland sprechen, dessen Verlässlichkeit sich im Vertrauen der Investoren zeige. Angesichts dieser Bedingungen, so De Masi weiter, gebe es keinen Grund, Maßnahmen zur Eindämmung der Verschuldung zu ergreifen: Im Gegenteil, in einer Zeit wirtschaftlicher und sozialer Schwierigkeiten und an der Schwelle zu einem entscheidenden industriellen und energetischen Wandel sei es notwendig, weiterhin auf das Instrument der Verschuldung zur Finanzierung des Wachstums zu setzen.

Tatsächlich ist die Bundesregierung, wie man in der FAZ liest und wie Finanzminister Olaf Scholz betont hat, bereits jetzt in hohem Maße auf die Emission von Schuldverschreibungen angewiesen, insbesondere zur Deckung der Kosten der Pandemie und zur Refinanzierung der bereits bestehenden Schulden. Insgesamt wird für dieses Jahr ein Emissionsvolumen von 480 Milliarden Euro erwartet.

Nun, es ist klar, dass es nur einen Grund geben kann, für eine Investition zu bezahlen, wenn man weiß, dass man weniger zurückbekommt, als man ausgegeben hat: Deutsche Staatsanleihen werden als eine Art Versicherung verwendet. Das liegt daran, dass sie von den großen Rating-Agenturen ein beneidenswertes Triple-A-Rating erhalten haben. Wenn man dann noch bedenkt, dass einer der größten Käufer die EZB ist, wird klar, warum die Renditen noch weiter nach unten gedrückt werden. Der größte Gläubiger des deutschen Staates ist nämlich die Bundesbank, die im Auftrag der EZB Bundesanleihen kauft. Insgesamt hält sie knapp ein Drittel der im Umlauf befindlichen 1,56 Billionen Euro an Staatsanleihen.

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