Finanzmärkte / Wirtschaft

Die EZB-Politik zeigt die schwache Seite der Wirtschaft

Verfasst von MoneyController am 13.04.2021

In der Zeitung Die Welt erschien ein Artikel von Frank Stocker, der die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) scharf kritisiert: Die Bereitstellung von so viel billigem Geld zeige nicht nur die Schwäche der europäischen Wirtschaft, sondern sei sogar eine der Ursachen.

Seit der letzten Sitzung des EZB-Rats hat sich das Tempo der Ankäufe von Finanztiteln innerhalb von zwei Wochen von 24 Mrd. EUR auf 28,7 Mrd. Euro erhöht. Die Bereitstellung eines solchen Geldvolumens zum Nullzins verbirgt jedoch ein großes Problem: die mangelnde Produktivität der europäischen Wirtschaft. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) schätzt, dass allein in Deutschland in den letzten Monaten rund 5.000 "Zombie-Unternehmen" entstanden sind. Dabei handelt es sich um Unternehmen, die nicht mehr in der Lage sind, die Zinsen für ihre Schulden zu zahlen, und deshalb auf neue Kredite angewiesen sind, um diese zu decken. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) schätzt, dass mit der Pandemie der Anteil dieser "Zombie-Unternehmen" weltweit von 12 auf 18% gestiegen ist.

Die Hoffnung, dass die Krise dieser Unternehmen nur vorübergehend sei, wird durch die Berechnungen der BIZ zunichte gemacht: 70% werden auch nach der Krise "Zombies" bleiben. Wie BIZ-Chefökonom Claudio Borio seit langem betont, handelt es sich um ein Produktivitätsproblem, das durch die großzügige Geldpolitik der EZB noch verschärft wurde. Die Zahl der Neugründungen nimmt seit Jahren stetig ab und unproduktive Unternehmen werden künstlich am Leben gehalten. Dies ist im doppelten Sinne schädlich: Zum einen, weil diese Firmen nicht dazu gedrängt werden, ihre Produktivität zu steigern; zum anderen, weil dieselben Unternehmen ein Hindernis für neue Unternehmen darstellen, die in den Markt eintreten möchten.

Die Welt berichtet auch über die Meinung von Hans-Jörg Naumer, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei Allianz Global Investors. Naumer ist der Ansicht, dass nur ein starker Innovationssprung die mangelnde Produktivität der europäischen Wirtschaft korrigieren könnte und dass die EZB den Mut haben sollte, ihre Geldpolitik dahingehend zu ändern, dass sie diese begünstigt, statt sie zu behindern. Die sich am Horizont abzeichnenden großen Veränderungen sind in der Tat weitreichend. Da ist zum einen der große "grüne" Wandel, der viele Produktionszweige bald überflüssig machen wird. Auf der anderen Seite gibt es die Konkurrenz von Giganten wie China, die bereit sind, Europa in jeder Hinsicht zu überholen, vor allem, wenn es um Technologie geht.

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