Finanzmärkte / Wirtschaft

Gamestop, das Tauziehen zwischen Tradern und Fondsmanagern

Verfasst von MoneyController am 29.01.2021

Was würde passieren, wenn sich Internettrader gegen Finanzprofis zusammentun würden? Nun, das ist es, was gerade im Fall von Gamestop passiert, der Aktie, die die Kompasse der Finanzbörsen gerade verrückt spielen lässt.

Gamestop ist ein Videospiel-Einzelhändler mit einem Netzwerk von traditionellen Läden. Abgesehen von den großen finanziellen Turbulenzen der letzten Wochen geht es dem Unternehmen nicht besonders gut: Es leidet unter den Einschränkungen aufgrund der Pandemie und vor allem unter der fortschreitenden Digitalisierung der Vertriebsdienste für Videospiele. Dies hat viele Investmentfonds dazu veranlasst, auf den fortschreitenden Wertverfall der Aktie zu setzen. Das heißt, sie haben - wie man im Fachjargon sagt – Leerverkäufe getätigt. Ausschlaggebend dafür war vor allem der Rat des Investmentfonds Citron Research und seines Managers Andrew Left, der sich auf die Identifizierung überbewerteter Finanzprodukte spezialisiert hat.

Die Empfehlung, Leerverkäufe der Aktien von Gamestop zu tätigen, löste eine starke Reaktion im Internet aus. Insbesondere bei den Tradern, die auf der Investmentplattform Robinhoods tätig sind. Im Finanzforum Reddit, wo investitionsbezogene Tipps ausgetauscht werden, lancierten sie den Vorschlag, Gamestop-Aktien massenhaft zu kaufen. Es folgte ein „Short-Squeeze“, ein Phänomen, das aus einem sehr starken Anstieg einer Aktie besteht. Der Grund war, dass die Investmentfonds, um ihre Positionen zu schließen, die Aktien von Gamestop kaufen mussten: Es wurde eine Kettenreaktion ausgelöst, die dazu führte, dass die Gamestop-Aktien ihren Wert innerhalb weniger Tage vervielfachten und von 15 US-Dollar Anfang Januar auf aktuell 325 US-Dollar stiegen.

Die Verluste für die Hedgefonds sind enorm gewesen. Ein anderer Fonds, der Leerverkäufe getätigt hatte, Melvin Capital, brauchte eine Liquiditätsspitze von 2,75 Mrd. US-Dollar, nachdem er fast ein Drittel seines Wertes verloren hatte. Der gleiche Mechanismus wurde von Tradern für die Kinokette AMC und die Mobilgesellschaft Blackberry, gegen die dieselben Hedge-Fonds gewettet hatten, erfolgreich angewandt. An diesem Punkt erschraken die Trading-Plattformen (u.a. die Berliner Trade Republic) vor den Folgen dieser Massenkäufe und sperrten die Nutzer für den Kauf von Aktien. Begründet wurde dies mit der übermäßigen Volatilität der Aktien.

Proteste von Seiten der Investoren überschwemmten das Web. Facebook sah sich gezwungen, die Diskussionsgruppe, die 157.000 Mitglieder erreicht hatte, wegen Verletzung des Regelwerks zu schließen. In der Zwischenzeit hat sich die amerikanische Politik zur Unterstützung der Trader eingeschaltet: Die Demokraten Elizabeth Warren und Alexandria Ocasio-Cortez schlugen eine Anhörung im Senat vor. Außerdem hat der zukünftige Vorsitzende des Bankenausschusses des Senats und Republikaner Sherrod Brown die Gelegenheit durch den Fall Gamestop genutzt, um anzukündigen, dass er eine Anhörung im Senat einberufen wird, um über den Finanzmarkt und seinen Nutzen für die Gemeinschaft zu diskutieren.

Unter diesem politischen Druck haben sich die Trading-Plattformen wie Robinhoods daher entschlossen, die Beschränkungen für den Kauf von Aktien von Gamestop, Blackberry und AMC wieder zu lockern. Aber das Spiel zwischen den Tradern und den Hedge-Fonds-Investoren ist noch nicht vorbei.

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