Finanzmärkte / Wirtschaft

“Für die Reichsten ist die Corona-Krise vorbei“, die Oxfam-Studie zur Ungleichheit

Verfasst von MoneyController am 25.01.2021

Mit der Krise wächst die Ungleichheit. Dies zeigt eine Studie von Oxfam, die herausfand, dass der Wohlstand der sehr Reichen in der Welt trotz der Corona-Krise, anstatt zu sinken, gewachsen ist. Dies berichtete die Zeitung „Die Welt“, die den Bericht um einige wichtige Überlegungen ergänzte.

Nach der Berechnung, von der wir hier sprechen, konnten die reichsten Menschen ihre krisenbedingten Verluste relativ schnell, d.h. in nur neun Monaten, wieder aufholen. Der Rest der Bevölkerung, vor allem die weniger Wohlhabenden, riskieren, weitere zehn Jahre warten zu müssen, bevor sie wieder das Wohlstandsniveau von vor der Krise erreichen können. Die Berechnung basiert auf der Tatsache, dass die zehn reichsten Menschen der Welt ein Gesamtvermögen von 1.200 Milliarden Dollar haben, das im letzten Jahr um fast 500 Milliarden gewachsen ist. Auf der anderen Seite wird eine der schlimmsten Beschäftigungskrisen seit 90 Jahren erwartet. Dies hat Oxfam dazu veranlasst, zu erklären, dass „für die Reichsten die Corona-Krise vorbei ist“.

Wenn man sich die Daten ansieht, fällt einem sofort auf, dass in der Liste der reichsten Menschen der Welt vor allem die Chefs großer amerikanischer Technologieunternehmen zu finden sind, die im Jahr 2020 ein beispielloses finanzielles Wachstum erlebt haben: Elon Musk (Tesla), Jeff Bezos (Amazon), Bill Gates und Steve Ballmer (Microsoft), Larry Page und Sergey Brin (Alphabet, d.h. Google) und Larry Ellison (Oracle).

Dass die Einkommensunterschiede zunehmen, ist eine durch aus anerkannte Tatsache. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat bestätigt, dass sich die Daten zur Vermögenskonzentration verändert haben: Der Anteil der reichsten 10% der deutschen Bevölkerung am Gesamtvermögen hat sich von 59% auf 67% erhöht. Am überraschendsten ist jedoch, dass die reichsten 1% von 22% auf 35% des Vermögens gestiegen sind. Die weniger wohlhabende Hälfte der Bevölkerung besitzt dagegen nur 1% des Vermögens. Forscher nennen dies das „Ungleichheitsvirus“ (The Inequality Virus).

Die Wirtschaftskrise hat denjenigen, die über ein sehr hohes Vermögen verfügen, weniger geschadet.Aber man sollte die Situation nicht zu sehr vereinfachen und auch keine voreiligen Schlüsse ziehen. Das ist die Meinung von Chefvolkswirt Jörg Krämer von der Commerzbank. In Deutschland, so argumentiert Krämer, sind die Leidtragenden vor allem Selbstständige und Unternehmer gewesen, die aufgrund des Lockdowns für längere Zeiträume schließen mussten. Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen sind um 7,5 % gesunken, während die der privaten Haushalte um 0,8 % gestiegen sind.

Das Eingreifen in die Ungleichheiten darf jedoch nicht das Risiko bergen, das produktive Wirtschaftsgefüge zu beschädigen. Wenn es notwendig sein sollte, eine neue Steuer zu erheben, um die Auswirkungen von Covid abzumildern, so Krämer, dann sollte man versuchen, nicht die Unternehmen zu schädigen, die Arbeitsplätze schaffen und dank der Qualität ihrer Produkte Geld verdienen. Darüber hinaus wäre es notwendig zu verstehen, ob das Vermögen der Reichsten ein Vermögen ist, das zur Finanzierung der Entwicklung und Innovation eines Unternehmens dient oder nur für private Zwecke verwendet wird. Zudem sollte nicht vergessen werden, dass diese Ungleichheiten, laut Krämer, zum Teil auch auf die Liquiditätsflut der Zentralbanken zurückzuführen sind, von der bisher vor allem die Finanzmärkte profitieren konnten.  

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