Behavioral Finance

Falscher Freund: Warum Anleger Trends nicht zu sehr vertrauen sollten

Verfasst von MoneyController am 21.01.2021

Die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) veröffentlichte einen Artikel mit der bezeichnenden Überschrift: „Der Trend und der Anleger sind selten Freunde“. Die Zeitschrift hat in der Tat einige Trends überprüft, die als zuverlässig eingeschätzt wurden, sich aber nicht als solche herausstellten. Das überraschendste Beispiel betrifft den Index der Cannabisindustrie. Dem Index wurde ein enormes Wachstumspotenzial zugesprochen. Betrachtet man jedoch die Performance des S&P 500-Index, gibt es keinen Vergleich: Der S&P 500 übertraf den Cannabis-Index um 70%.

„The trend is you friend“. Um diesen Aussage zu widerlegen, führt die NZZ einen sehr berühmten Fall an, in dem sich ein als mittel- bis langfristig geltender Börsentrend in eine gefährliche Blase verwandelte: die Dotcoms. Diese Episode lässt auch das derzeitige Rekordwachstum der amerikanischen Big-Tech-Aktien in Frage stellen. Viele glauben, dass die Situation diesmal anders ist. Aber schon damals hieß es natürlich, dass diese Aktien den Wind in ihren Segeln hätten. Aus diesem Grund fragen sich viele einfach: Wann wird die Blase platzen?

Andere Beispiele. Die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) haben lange Zeit den MSCI World Index gejagt, ohne jemals wirklich aufzuholen. Nur wenige erinnern sich jedoch daran, dass sie in den Prognosen vieler Analysten diese weitestgehend hätten übertreffen sollen. Andere Sektoren, die eine Explosion versprachen, waren Luftfahrt, Wasser und Infrastruktur. Die Fortschritte sind im Vergleich zu den Erwartungen eher bescheiden.

Welche Enttäuschung könnte uns heute an den Märkten erwarten? Die Autoren der NZZ glauben beispielsweise, dass der ESG-Sektor (Environment, Social, Governance) derzeit im Vergleich zu seinem tatsächlichen Potenzial überdimensioniert ist. Tatsächlich tragen viele Aktien das ESG-Label, obwohl sie nicht vollständig dafür in Frage kommen. Die Ergebnisse werden möglicherweise nicht den sehr hohen Erwartungen entsprechen.

Wie die Autoren des Artikels erklären, liegt das Problem bei diesen Trends gerade in den überzogenen Erwartungen der Investoren. Die falsche Bewertung der Auswirkungen eines Trends führt dazu, dass nicht alle konkreten und notwendigen Aspekte berücksichtigt werden, die zur korrekten Bewertung einer Investition nötig sind. Wir sprechen von dem sogenannten „Prävalenzfehler“, ein aus der Behavioral Finance bekanntes Phänomen. Dass bedeutet, dass man, um ein vollständiges Bild seiner Investitionen zu erhalten, nicht nur Trends im Allgemeinen, sondern auch einzelne Investitionen im Speziellen betrachten muss.

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