Banken und Bankprodukte

EZB: Grünes Licht für den digitalen Euro

Verfasst von MoneyController am 15.07.2021

Die Europäische Union macht einen Sprung nach vorne auf dem Gebiet des digitalen Geldes. Nach der Zustimmung nationaler und EU-Politiker hat nun der EZB-Rat - das höchste geldpolitische Gremium der Eurozone, wie Christian Siedenbiedel in der Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) anmerkt - die vorläufigen Pläne für die Einführung der ersten digitalen Währung Europas gebilligt.

Es wird kein kurzer Weg sein. Die Rede ist von zwei Jahren für die Untersuchungsphase und drei Jahren für die Erprobung. Doch nun seien alle Zweifel an der Umsetzung ausgeräumt, wie Präsidentin Christine Lagarde feststellte. In der Tat ist die EZB eher zurückhaltend vorgegangen: Nach der Veröffentlichung des Berichts über einen digitalen Euro vor sechs Monaten folgten Konsultationen nicht nur unter Politikern, sondern auch unter Bürgern und der Geschäftswelt. Das Ziel eines digitalen Euros ist jedenfalls ein Zweifaches. Einerseits, nicht unvorbereitet auf die Herausforderungen zu sein, die Staaten wie China und die USA auf dem gleichen Gebiet lancieren. Zum anderen, eine brauchbare Alternative zu Kryptowährungen zu bieten, die für Kleinsparer eine riskante Investition und ein wenig zuverlässiges Zahlungssystem bleiben.

Es herrscht noch Unklarheit darüber, wie die technologische Infrastruktur des Projekts aussehen wird. Es besteht die Absicht, die Blockchain zugunsten eines italienischen technologischen Systems namens "Tips" zu verwerfen. Dieses System würde jedem Bürger eine digitale Brieftasche ("Wallet") garantieren, auf der maximal 3.000 digitale Euros gespeichert werden können und darüber hinaus gehende Beträge auf ein Bankkonto fließen. Ein sehr sicheres Geld, da es letztendlich von der EZB garantiert wird. Aber auch immer rückverfolgbar, was viele Bürger beunruhigt: Das Problem, dass alle ihre Einkäufe immer nachvollzogen werden können, ist ein Vorteil im Kampf gegen Geldwäsche, droht aber zu einem Datenschutzproblem zu werden (es würde das Recht auf Anonymität untergraben).

Die Befürworter des digitalen Geldes haben jedoch ein wichtiges Argument für sich, und das ist die Stabilität der Währung. Der Erfolg des digitalen Euro würde die Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit der Einheitswährung stärken, die sich bald der Konkurrenz amerikanischer und chinesischer digitaler Währungen stellen muss. In der entstandenen Debatte beharrte vor allem Frankreich darauf und führte das Argument einer Stärkung der Währungssouveränität ins Feld. Aber auch aus Deutschland gab es starke Unterstützung, etwa in der Stellungnahme von Andreas Krautscheid, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, über dessen Meinung die FAZ auch berichtete. Mit seinen Ambitionen als Weltexporteur, auch von technologischen Spitzenprodukten, könne es sich Deutschland nicht leisten, in diesem Punkt unvorbereitet zu sein, so Krautscheid.

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