Finanzmärkte / Wirtschaft

„Europa fällt zurück“, sagt Werner Hoyer, Präsident der Europäischen Investitionsbank

Verfasst von MoneyController am 04.01.2021

Werner Hoyer, Chef der Europäischen Investitionsbank (EIB), gab dem Handelsblatt ein ausführliches Interview. Obwohl während des Interviews viele Themen angesprochen wurden, war der zentrale Punkt, den Hoyer mehrfach ansprach, der der Investitionen: Nur durch eine Erhöhung des Kapitals, das die einzelnen Staaten der EIB zur Verfügung stellen, wird es möglich sein, das Wachstumspotenzial, das dieser "finanzielle Arm" der Gemeinschaft bieten kann, voll auszuschöpfen. Die Europäische Investitionsbank ist ein Kreditinstitut, das Projekte finanziert, die die Entwicklungsziele der Europäischen Union verfolgen. Sie befindet sich im gemeinsamen Eigentum der EU und jeder EU-Staat ist darin mit einem repräsentativen Mitglied vertreten.

Die Länder der Europäischen Union - so Hoyer - investieren immer weniger als die großen Giganten wie die USA und China, insbesondere im Bereich Forschung und Innovation – ein Sektor, in dem der Beitrag der EIB entscheidend sein könnte. Während 20% des Investitionsbudgets für Forschung und Innovation in Europa bereitgestellt werden, sind es in Amerika und Asien 47%. So ist es nicht verwunderlich, dass alle großen IT-Dienstleister Amerikaner sind: von Software (Microsoft und Apple) über Suchmaschinen (Google) bis hin zum Cloud-Markt (Amazon). Es besteht die Gefahr, dass Europa in Sektoren, die schnell computerisiert werden, wie dem Automobilmarkt, weiter an Wettbewerbsfähigkeit verliert: Die für die Entwicklung einer Industrie 4.0 erforderliche Software wird gänzlich aus Übersee importiert werden müssen. Aber wie kann man sich darüber wundern, wenn man bedenkt, dass der Venture-Capital-Markt nicht einmal im Entferntesten mit dem amerikanischen vergleichbar ist?

Natürlich - räumt Hoyer ein - ist Europa in Bezug auf die Finanzierung nachhaltiger Unternehmen sicherlich allen Ländern voraus. Der europäische „Green Deal“ sieht den Einsatz von 1.000 Milliarden Euro vor, um Unternehmen zu unterstützen, die eine aktive Rolle beim Schutz von Klima und Umwelt spielen. Der Erfolg von „grünen“ Anleihen auf dem Markt ist ein Beweis dafür, dass Investoren dem europäischen Projekt vertrauen.

Was hält die EIB also davon ab, ihren Investitionsplan zu erhöhen? Sicherlich nicht das Fehlen einer soliden finanziellen Basis, so Hoyer. Im Gegenteil, Ratingagenturen bewerten die Projekte der EIB als zuverlässig. Ein Beispiel für den Erfolg war der Junker-Plan, der sich auf gut 500 Milliarden Euro belief. Das eigentliche Problem für den Erfolg eines ehrgeizigeren Investitionsplans ist die Schwierigkeit, die Mitglieder der Union zu einer Einigung zu bewegen. Dies zeigen die aktuellsten Haushaltsverhandlungen, gegen die Polen und Ungarn mit ihrem Veto gedroht haben.

Der Aspekt der Souveränität ist für Hoyer ein „extrem heikles“ Thema. Der Präsident der EIB versäumt es jedoch nicht, das Interview mit einem hoffnungsvollen Ausblick für die Zukunft zu beenden. Zunächst einmal haben die für Forschung bereitgestellten Mittel die Entdeckung und den Erfolg des Impfstoffs entscheidend beschleunigt. Darüber hinaus mangelt es nicht an ehrgeizigen Zukunftsprojekten, die endlich alle 27 Länder zu einer Einigung bringen und die Wirtschaft nachhaltig ankurbeln könnten. Neben Projekten im Zusammenhang mit Forschung und Innovation sind sicherlich auch Investitionsprojekte im Gesundheitsbereich und ein Kooperationsplan mit Afrika zu nennen, einem Kontinent, an dem Europa nicht vorbeikommt, wenn es über seine Zukunft nachdenken will.

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