Staatsanleihen und Zinsen

Werden die Zinsen tatsächlich zurückkommen? Was ist dann zu tun?

Verfasst von MoneyController am 05.05.2021

Jetzt, da die Wirtschaft weltweit dank der Umsetzung von Impfplänen wieder in Schwung kommt, fragen sich viele Sparer, wie sie sich angesichts eines möglichen Zinsanstiegs verhalten sollen. Ja, aber um wie viel könnten die Zinsen steigen und was sollte man dann tun? Die Zeitung „Die Welt“ hat diesem Thema einen interessanten Artikel gewidmet.

Die Daten zur konjunkturellen Erholung sind fast überall auf der Welt positiv. In unseren Breiten reichen sie von +3,5/4% in Deutschland bis zu +6% in den USA. Aus theoretischer Sicht sollte sich die Nachfrage der Wirtschaft nach Kapital daher in einem Anstieg des Wertes dieses Kapitals (insbesondere wenn es verliehen wird), d.h. in einem Anstieg der Zinssätze, niederschlagen. In Deutschland hingegen sind die Zinssätze für zehnjährige Staatsanleihen zwar gestiegen, liegen aber weiterhin im negativen Bereich. Warum ist das so? Ein Grund dafür ist, dass solange die Zentralbanken, einschließlich der EZB, ihre extrem expansive Geldpolitik fortsetzen, die Zinsen nie über eine bestimmte Schwelle steigen können.

Das Problem der Sparer besteht nun darin, dass es bei so niedrigen, teilweise sogar negativen Zinsen unmöglich ist, mit einer Inflation Schritt zu halten, die in diesem Jahr bereits 2% erreichen wird. Dies ist im Übrigen keine neue Situation. Wie im Artikel zu lesen ist, haben Sparer, die insbesondere auf deutsche zehnjährige Staatsanleihen setzten, seit etwa fünf Jahren keine positive Realrendite (d.h. eine positive Rendite nach Abzug der Inflation) mehr erlebt. In dem Artikel wird auch auf einige eindrucksvolle Daten verwiesen, die aus einer Berechnung von Daniel Franke für das Anlageportal Tagesgeldvergleich.net hervorgehen: Der Realzinsverlust der deutschen Sparer in den letzten zehn Jahren liegt bei 200 Milliarden Euro.

Angesichts der negativen Zinssätze von Bundesanleihen (die als Referenz für die Zinssätze der Banken dienen) bietet das Einzahlen der Ersparnisse auf ein Konto daher immer weniger Absicherung. Selbst die großzügigsten Einlagenzinsen wie für 120-Monats-Festgelder können - laut Tagesgeldvergleich.net - den Wertverlust durch die Inflation nicht ausgleichen.

Die einzige Lösung, die Sparern auf der Suche nach Erträgen bleibt, schreibt "Die Welt", besteht darin, mehr Risiken einzugehen. Riskanteren Anlagen entsprechen im Durchschnitt höhere Renditen. Doch was bedeutet es konkret, mehr Risiken einzugehen? Das bedeutet, dass bei einzelnen Anlagen Netto-Kapitalverluste entstehen können. Wer sich beispielsweise entscheidet, sich aus seinen Investitionen kurzfristig zurückzuziehen, riskiert möglicherweise, einen niedrigeren Betrag als den investierten zu erhalten.  

Abgesehen von den einzelnen Vorschlägen, die in dem Artikel gemacht werden (Indizes oder Finanzprodukte), ist der Kern des Arguments, das Anleger im Hinterkopf behalten sollten, folgender: Das Risiko kann auf alle Fälle noch durch eine präzise Diversifizierungsstrategie gemindert werden. Diese Strategie besteht aus zwei Komponenten. Die erste ist die Erstellung eines breiten und intern differenzierten Korbs von Anlagen, die in das Portfolio aufgenommen werden sollen. Die zweite ist die lange Laufzeit des Anlageziels, die vor Fehlern im Zusammenhang mit dem Markt-Timing - d.h. der Tatsache, dass es sehr schwierig ist, eine Anlage zum bestmöglichen Zeitpunkt zu erwerben - sowie vor vorübergehenden Marktschwankungen schützt. 

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