Banken und Bankprodukte

Die scheinbare Erholung des Kreditmarktes

Verfasst von MoneyController am 19.01.2021

Analysiert man die Jahresabschlüsse einiger großer amerikanischer Banken sowie die Prognosen der Deutschen Bank und der Commerzbank, so scheint sich der Kreditmarkt allmählich von der Krise zu erholen. Vor allem amerikanische Banken haben nicht nur positive Gewinne erzielt (und auf jeden Fall die Erwartungen übertroffen), sondern sogar ihre Reserven reduziert, um Insolvenzen und Zahlungsausfälle abzudecken, die durch die Corona-Krise verursacht wurden. Auf dem Kreditmarkt herrscht daher ein gewisser Optimismus. Aber die Bedingungen verlangen, vorsichtig zu bleiben.

Amerikanische Banken

In den USA verzeichnete die Investmentbank JP Morgan im letzten Quartal 2020 ein Gewinnwachstum von 42% und einen Umsatz von 30 Milliarden Dollar. CEO Jamie Dimon sagte, dass die Bank von der expansiven Geldpolitik, aber auch von einer präzisen Diversifizierungsstrategie profitieren konnte. Insbesondere der Sektor „Corporate & Investment Bank“ ist deutlich gewachsen (+ 34%), gefolgt vom Bereich „Asset & Wealth Management“ (+ 17%). Auch das Sparen durch Bankeinlagen wuchs (+30%). Dimon ist jedoch vorsichtig, was die Aussichten für die Bank in den kommenden Monaten angeht. Dies wird durch die Tatsache belegt, dass die Bank gut 30 Milliarden Dollar zurückgestellt hat, um für jede Art von Szenario gerüstet zu sein, selbst für das pessimistischste.

Wells Fargo und Citigroup schlossen das letzte Quartal 2020 ebenfalls mit einem geringer als erwarteten Ergebnisrückgang ab. Der Gewinnrückgang bei diesen Banken ist zu einem großen Teil auf das hohe Volumen an Rückstellungen in den letzten Monaten zurückzuführen, um den drohenden Kreditausfällen zu begegnen. Wells Fargo musste ferner hohe Kosten für eine interne Umstrukturierung bestreiten, die durch den Abbau von bis zu 6.400 Mitarbeitern kompensiert wurde. Es wird jedoch erwartet, dass die in San Francisco ansässige Bank von einem Anstieg des Wertes ihrer Aktien an den Märkten profitieren wird, nachdem sie plant, ihre eigenen Wertpapiere zurückzukaufen, die zuvor an die Federal Reserve verkauft wurden. Die Citigroup erwirtschaftete noch einen Nettogewinn von 4,6 Milliarden Euro (+ 6% seit Jahresbeginn). Obwohl das Dividendenwachstum durch die Covid-19-Krise gebremst wurde, sagte CEO Michael Corbat, die New Yorker Bank könne auf eine solide Kapitalausstattung und eine ebenso solide Liquidität zählen.

Deutsche Banken

Die Deutsche Bank wird ihre Ergebnisse erst am 4. Februar bekannt geben. In der Zwischenzeit sind die Daten für das dritte Quartal weiterhin günstig: ein Gewinn von 182 Millionen Euro, gegenüber einem erwarteten Verlust von 26 Millionen Euro, und einem Gesamtertrag der Investmentbank von 2,4 Milliarden Euro (+ 43% gegenüber dem Vorjahr). Bei der Commerzbank gibt es dagegen mehr Ratlosigkeit. Die Zahlen für das letzte Quartal werden am 11. Februar veröffentlicht und einige Analysten erwarten einen Verlust von bis zu 300 Millionen Euro. Außerdem hat die Bank in ihrer Bilanz für 2020 eine Risikovorsorge in Höhe von mindestens 1,7 Milliarden Euro gebildet (mehr als die bisher vorgesehenen 1,3 bis 1,5 Milliarden Euro). Diese Zahl beinhaltet rund 500 Millionen für die Abdeckung der Auswirkungen der Pandemie im Jahr 2021. „Nach dieser Bereinigung des Budgets sind wir gut auf den Weg vorbereitet“, sagte Vorstandschef Manfred Knof. Wie man in solchen Fällen sagt, man muss einen Schritt zurückgehen, um zwei Schritte vorwärts machen zu können.

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