Finanzmärkte / Wirtschaft

Die Rückkehr der Inflation untergräbt die Aktienrallye

Verfasst von MoneyController am 26.01.2021

Trotz der Unsicherheiten spiegeln die Finanzmärkte derzeit die recht optimistische Stimmung der Anleger wider. Es gibt jedoch ein Risiko, das bisher nicht in vollem Umfang berücksichtigt wurde, nämlich dass die Inflation plötzlich die Zinssätze beeinflussen könnte. Ivan Mlinaric, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Quant Capital, sprach darüber mit dem Portal Fondsprofessionelle. „Das“, sagte er mit Blick auf die Situation, „würde den Aktienmarkt vor die Wand fahren lassen“.

Tatsächlich wird die wirtschaftliche Erholung, begleitet von einem starken Anstieg der Verbraucherausgaben, zu einem Anstieg der Inflation führen. Laut Mlinaric wird sich die große Menge an Ersparnissen, die im letzten Jahr angesammelt wurden, zu der großen Liquidität addieren, die aufgrund der von den Zentralbanken eingesetzten Ressourcen bereits auf den Märkten vorhanden ist. In den letzten zehn Jahren lag die Sparquote der Deutschen bei 10%, während sie im Jahr 2020 bei über 16% lag. Das sind 110 Milliarden Euro mehr als im vergangenen Jahr.

In der Tat wäre dies ein gut untersuchtes Phänomen der Wirtschaftswissenschaften, nämlich die nachfrageinduzierte Inflation (Demand Pull Inflation). Es handelt sich um ein wirtschaftliches Phänomen, das auftritt, wenn die Geldmenge größer ist als die Verfügbarkeit von käuflichen Waren und Dienstleistungen. Bei einem Nachfrageanstieg, dem kein Angebotswachstum gegenübersteht, wird das Marktgleichgewicht wiederum nur bei steigenden Preisen erreicht. Wenn aber die Preise steigen und die Gütermenge gleich bleibt, bedeutet dies, dass das Geld an Wert verliert. Genau dies ist das  Phänomen der Inflation.

Mlinaric befürchtet, dass die Zentralbanken, wenn mehr Geld im Umlauf ist, sich dann entschließen könnten, die Zinsen schnell wieder zu erhöhen. Auch der Ökonom Aymo Brunetti warnte die Anleger in einem Artikel in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) zu diesem Punkt. An den Finanzmärkten besteht in einigen Monaten das Risiko, dass es zu einer echten Liquiditätskrise kommen könnte. Zum einen bleibt den Privathaushalten durch den gesteigerten Konsum weniger Geld für ihre Geldanlagen. Zum anderen wird durch die Anhebung der Zinsen durch die Zentralbanken somit sowohl die Aufnahme von Darlehen als auch die Ausgabe von Aktien teurer. Dies könnte zu einem starken Rückgang der Aktienkurse führen und die neue Aktienrallye in diesem Jahr untergraben.

MEISTGELESENE ARTIKEL VON HEUTE

MEISTGELESENE ARTIKEL DER WOCHE

MEISTGELESENE ARTIKEL DES MONATS

MEISTGELESENE ARTIKEL DES FINANZFORUMS

Klassifikation anschauen