Finanzmärkte / Wirtschaft

Die Revanche der deutschen Aktien

Verfasst von MoneyController am 01.04.2021

Deutschland ist derzeit kein besonders erfolgreiches Modell im Kampf gegen die Pandemie. Dennoch hat der DAX alle Rekorde gebrochen und die Wirtschaft ist auf dem besten Weg, den in der Krise verlorenen Glanz wieder zu erlangen. Der Börsenkommentator und Chefanalyst der Baader Bank, Robert Halver, hat dieses Paradoxon analysiert und erklärt die Gründe für den Erfolg deutscher Aktien.

Zum einen ist es zwecklos, die Schwierigkeiten dieser Zeit zu leugnen: Lockdowns und das Fehlen einer klaren politischen Linie bedrohen viele wirtschaftliche und kommerzielle Aktivitäten. Im Ausland ist zudem vielen Kommentatoren das Bild eines Deutschlands aufgefallen, das sich noch immer schwer tut, eine effiziente Impfkampagne zu organisieren, und dessen Politik eher zerstritten und konfus erscheint. Wie ist es möglich, dass der DAX in dieser Situation alle Rekorde gebrochen hat?

Für Halver liegt der Grund in den ökonomischen Grundfesten der deutschen Wirtschaft, einer "old economy", also einer Wirtschaft mit überwiegend industriellem Charakter. Erstens ist diese Art von Wirtschaft strukturell weniger von den Lockdowns betroffen, im Gegensatz zu kommerziellen und produktiven Unternehmen, die stärker auf Dienstleistungen ausgerichtet sind. Nicht nur das: Deutschland genießt international einen wohlverdienten Ruf für die Qualität seiner Produkte und Industrien. In bestimmten Bereichen gilt es als die weltweit führende Volkswirtschaft. In einer Zeit des allgemeinen Wirtschaftsaufschwungs wird deutlich, wie stark der Export als Konjunkturmotor wirkt. 

Dank der außerordentlichen Liquidität auf den Märkten belohnten die Börsen im Jahr 2020 vor allem die Blue Chips, also die Unternehmen mit hoher Marktkapitalisierung und ganz allgemein den "Wachstumssektor" (verkörpert durch Technologieunternehmen). Jetzt, wo sich der Wind an der Börse gedreht hat, wird jedoch eine zyklische Marktdynamik zugunsten der Industrieproduktion erwartet, als natürliche Folge der weltweiten wirtschaftlichen Erholung. Am ehesten werden daher die sogenannten "Value"-Aktien belohnt, die sich durch eine geringere Marktkapitalisierung auszeichnen (und genau das ist bei deutschen Unternehmen der Fall). Und Deutschland kann in der Tat auf einen Aktienindex zählen, der stärker auf die Realwirtschaft und "Substanz" ausgerichtet ist. Deshalb ist der deutsche Aktienmarktindex seit 2021, wie Halver erklärt, proportional stärker gestiegen als fast alle anderen.

Mit der Aufnahme von zehn neuen Mitgliedern im September wird der DAX 40 diesen Weg laut Halver noch weiter festigen. Zugegebenermaßen räumt Halver ein, dass die Unsicherheit und die Schwierigkeiten, die mit der Pandemie verbunden sind, immer noch eine gewisse Rolle spielen und Marktschwankungen verursachen könnten. Doch statt der Marktschwankungen (die seiner Meinung nach überwindbar seien und in einigen Fällen auch den geschäftstüchtigen Sparern zugutekommen werden) befürchtet Halver, dass die Politik nicht in der Lage sei, diese für die deutsche Wirtschaft vorteilhafte Situation umfassend zu unterstützen.

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