Finanzmärkte / Wirtschaft

Die Inflation könnte in Deutschland in diesem Jahr 4% überschreiten (aber vielleicht kein Grund zur Sorge)

Verfasst von MoneyController am 26.02.2021

Mit einem Inflationssprung von 0,7% auf 1,6% führt Deutschland zusammen mit den Niederlanden die Liste der EU-Länder an, in denen die Preise am stärksten gestiegen sind. Einige Faktoren könnten die Inflation noch höher treiben. Wie Christoph Sackmann im Focus schreibt, gibt es jedoch keinen Grund zur Beunruhigung. In der Tat gibt es mindestens zwei spezifische Gründe, die den raschen Anstieg erklären.

  1. Mit dem Übergang von 2020 auf 2021 trat in Deutschland eine neue Steuer auf CO2-Emissionen in Kraft, was eine direkte Erhöhung der Energiepreise um 3,4% zur Folge hatte. Zudem wurde die zwischenzeitige Mehrwertsteuersenkung, die als Hilfe in der Corona-Krise diente, wieder aufgehoben. Dies ist eine Situation, die nur hier eingetreten ist, und erklärt daher den alleinigen Preissprung in Deutschland.
  2. Ein solch plötzlicher Anstieg der Inflation ist auf eine Art Rebound-Effekt zurückzuführen. Mit anderen Worten: Der Inflationsschub gleicht den Preisrückgang des vergangenen Jahres aus, der zumindest in den letzten Jahrzehnten beispiellos war. Wir sprechen von einem Durchschnitt von -0,7% für 2020, der im Oktober sogar -1% erreicht hatte. Der erwartete monatliche Preisanstieg in diesem Jahr dürfte sich dagegen im Rahmen der Vorjahre bewegen, d.h. zwischen 0,1% und 0,2% pro Monat.

Ein Szenario mit einer Inflation im November zwischen 3,3% und 4,3%, wie von einigen befürchtet, ist jedoch nur möglich, wenn sich die Wirtschaft und der Konsum vollständig erholen würden. Die Deutschen haben im vergangenen Jahr 16% mehr gespart als in den Vorjahren. Nun ist es für Sackmann nicht nur unwahrscheinlich, dass die Erholung so schnell kommt, sondern auch, dass die Deutschen alles ausgeben, was sie in den letzten Monaten gespart haben.

In jedem Fall wird also die Inflation 2021 zwar stärker ansteigen als in den Vorjahren, doch wird erwartet, dass sie sich 2022 wieder dem Vorkrisenniveau annähert, d.h. bei etwa 1,2% liegen wird. Ein letzter Grund, der einen weiteren Anstieg der Inflation in Schach halten könnte, ist schließlich die schwierige Situation auf dem Arbeitsmarkt, die (wie man auch im Focus liest) laut dem Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, die Verhandlungsposition der Arbeitnehmer schwächt und ein schnelles Wachstum der Löhne verhindert.

Die EZB wird dennoch ihre expansiven geldpolitischen Maßnahmen vorerst nicht zurücknehmen. Das Ziel der EZB ist es, die Inflation unter 2% zu halten. Wenngleich Deutschland diesen Wert in diesem Jahr voraussichtlich überschreiten wird, wird hingegen der Rest Europas wahrscheinlich darunter bleiben.

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