Banken und Bankprodukte

Die Europäische Bad Bank bleibt vorerst nur ein Vorschlag

Verfasst von MoneyController am 22.04.2020

Nach Angaben der Financial Times haben EZB-Beamte mit der Europäischen Kommission die Möglichkeit der Gründung einer Bad Bank zur Bewältigung der durch den Coronavirus verursachten Wirtschaftskrise ernsthaft diskutiert. Eine Bad  Bank ist eine Bankstruktur, die speziell zur Unterstützung anderer Banken geschaffen wird und den Zweck hat, die in deren Besitz befindlichen Vermögenswerte, die an Wert verloren haben, oder die Schulden, die voraussichtlich kaum bezahlt werden, zu veräußern. Diese Wertpapiere werden auch als „faule Kredite“ bezeichnet (auf Englisch: Non performing loans, Npl). Im allgemeinen besteht das Risiko jeder Bad Bank darin, die Verluste, die die Banken hätten tragen müssen, vollständig zu übernehmen und daher zur Begleichung der Schulden auf allgemeine Steuern zurückgreifen zu müssen. Viele europäische Funktionäre sind daher der Ansicht, dass der Bail-in-Mechanismus beibehalten werden muss, der öffentliche Beihilfen erst dann vorsieht, wenn die Aktionäre, die Anleihengläubiger und gegebenenfalls auch die Kontoinhaber dieser Banken, mit Einlagen von mehr als 100.000 Euro, für die Verluste aufgekommen sind.


Gerhard Hofmann, Vorstandsmitglied im Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR), hat im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) seine Bedenken nicht verheimlicht. Erstens interpretiert Hofmann diese Diskussion als Signal einer möglicherweise bevorstehenden Bankenkrise. Darüber hinaus bleibt die Frage offen, ob es sich bei den faulen Krediten, mit denen sich die Europäische Band Bank befassen sollte, um vor der Krise entstandene Kredite handelt oder um Kredite aufgrund der wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie. Im ersten Fall besteht das Risiko einer „Moral Hazard“, d.h. einige riskante Operationen würden Anreize erhalten, da man weißt, dass die Risiken dann auf die Gemeinschaft abgewälzt werden könnten. Wie die Financial Times schreibt, haben sich die Bad Banks auf nationaler Ebene mittelfristig gut entwickelt und in einigen Fällen die faulen Kredite der Banken sogar um ein Drittel reduziert (dies ist in Griechenland der Fall). Wie die FAZ ausführt, besteht jedoch ein sehr hohes Risiko, dass in diesem Zeitraum aufgrund des mangelnden Anlegervertrauens die faule Kredite, mit denen sich die „schlechten“ Banken befassen sollten, stark unter dem Wert verkauft werden oder sogar gar nicht verkauft werden können. Eine Lösung scheint vorerst noch weit entfernt zu sein.

 

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