Staatsanleihen und Zinsen

Die Auswirkungen der Superverschuldung auf den Markt für Staatsanleihen

Verfasst von MoneyController am 05.01.2021

Wie viel hat diese Krise gekostet und wie viel wird sie noch kosten? Bezogen auf die Staatsverschuldung kostete die Krise den Bund im Jahr 2020 einen Anstieg der Verschuldung um 7%. Basierend auf den Ausgabenprognosen für 2021 wird der Anstieg der Verschuldung nicht aufhören, sondern sogar um weitere 5% zunehmen. Gibt es irgendetwas, worüber man sich Sorgen machen müsste? Ingo Mainert, CIO Multi Asset Europe bei Allianz Global Investors, veröffentlichte einen Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, in dem er davor warnt, das Schuldenthema auf die leichte Schulter zu nehmen.

Bislang haben die Märkte das massive Eingreifen der Staaten begrüßt. In Europa sind mit dem Fonds „Next Generation EU“ sogar Corona-Bonds erschienen, Instrumente, die der Schuldenfinanzierung auf EU-Ebene dienen. Die Auswirkungen der durchgeführten Maßnahmen waren zum einen eine erhebliche Stabilität der Finanzmärkte und zum anderen ein Rückgang der Zinssätze. Auch die Unterschiede zwischen den Renditen der Staatsanleihen verschiedener Länder haben sich verringert.

Dies hat jedoch, zumindest im Inland, zu sichtbaren Konsequenzen am Anleihemarkt geführt.

Die Staatsanleihen solider Länder wie Deutschland werden in den Portfolios nun nicht mehr als Anlagen behandelt, mit denen man Renditen erzielen kann, sondern als eine Art Versicherung. Dies führt zu dem Paradoxon - wie Mainert anmerkt -, dass man in der hypothetischen Zeitspanne von 100 Jahren eine Anleihe mit einer Verzinsung von -1% erneut und vollständig zurückzahlen muss. Für die Länder hingegen, die sich nicht auf ein solides wirtschaftliches Fundament stützen können, könnte die Situation noch schlimmer kommen: Es könnte die Insolvenz bedeuten. Aber Insolvenz anzumelden bedeutet nicht, die eigenen Probleme zu lösen, sondern größere zu schaffen. Denken Sie nur daran, wie sehr ein Land wie Argentinien immer noch darum kämpft, auf den Märkten an Glaubwürdigkeit zu gewinnen.

Die Aufnahme von Schulden ist möglich, aber unter der Bedingung, dass man heute Geld ausgibt, um damit die Produktivität von morgen zu verbessern. Ausgaben müssen laut Mainert immer mit strukturellen Reformen des Wirtschaftssystems einhergehen. Dies gilt aber auch für Deutschland. Auf die deutsche Wirtschaft warten große Herausforderungen, wie die Revolution des Automarktes (Automatisierung und Elektroautos) sowie die Notwendigkeit einer nachhaltigen Industrie (siehe das Interview von Focus mit Daniel Stelter). Es sollte nicht vergessen werden, dass die andere Seite der Medaille der wirtschaftlichen Zuverlässigkeit eines Staates die Gewährleistung seiner Kreditwürdigkeit ist.

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