Anlagen

Die Aktienkultur hat sich in Deutschland noch nicht etabliert

Verfasst von MoneyController am 27.03.2021

Michael Stappel, Volkswirt bei der DZ Bank, hat in der Zeitschrift "Das Investment" einen Artikel veröffentlicht, in dem er die Situation privater Ersparnisse in Deutschland analysiert. Obwohl das Sparvolumen wächst, hat sich nach Ansicht von Stappel eine Kultur der Aktienanlage, also der Orientierung an der Marktrendite, bei den Deutschen noch nicht voll durchgesetzt. Einige Entwicklungen und die jüngere Generation lassen jedoch Gutes erahnen.

Die Deutschen sind dafür bekannt, dass sie im Durchschnitt risikoscheue Anleger sind. In Deutschland sind bis zu 2 Billionen Euro in Sichteinlagen hinterlegt oder werden in bar gehalten. Im Allgemeinen sind demnach 70% des Geldvermögens der Deutschen in Form von Bargeld, Bankeinlagen oder Versicherungen angelegt. Nur 7% landen an der Börse. Moral: Der leichteste Weg, Geld zu sparen, ist immer noch, ganz einfach, jeden Monat Geld zur Seite zu legen.

Es scheint sich jedoch etwas zu ändern. Das Sparen im Jahr 2020 hat definitiv zugenommen. In der Tat ist die Sparquote der Deutschen von 10,9% auf 16,2% angestiegen. Mit mehr Zeit und Geld zur Verfügung, aber auch in einem Umfeld von Zinssätzen bei oder unter 0% haben die Sparer mehr Investitionen in die Aktienmärkte getätigt. In den ersten drei Quartalen stiegen die Käufe auf 33,9 Milliarden Euro und die Anzahl der neuen Einlagenkonten stieg in nur zwölf Monaten von 1,7 auf 25 Millionen.

Der Einstieg der jüngeren Generation und Sparpläne sind die Hauptursachen für das Wachstum der Investitionen im vergangenen Jahr. Jüngere Menschen investieren dank ihres Smartphones sehr einfach auf Online-Plattformen. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Pandemie haben hingegen dazu geführt, dass sich immer mehr Deutsche Gedanken über ihre zukünftige finanzielle Situation machen. So verzeichnete die DWP Bank einen Anstieg der Sparpläne um 63,1%, und einen Anstieg der damit verbundenen Transaktionen um 85%.

Im Verhältnis dazu stieg jedoch das Volumen der unproduktiven Finanzanlagen im Vergleich zum Gesamtvolumen und erreichte 28,5%. Das bedeutet, dass es zwar viele Deutsche dazu bewogen hat, in den Aktienmarkt zu investieren, aber eine noch größere Zahl zog es vor, auf die traditionellere Art zu sparen. Dies veranlasst Stappel zu der Aussage, dass eine Aktienkultur trotz der Erfolge von Sparplänen und der jungen Generation in Deutschland noch nicht wirklich Fuß gefasst hat. Erschwerend kommt hinzu, dass die Unternehmen selbst oft zögern, an die Börse zu gehen: Auf dem deutschen Markt wurden in den letzten Jahren durchschnittlich nur sechs neue Unternehmen pro Jahr notiert.

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