Anlagen

Deutschland, ein Volk von Sparern

Verfasst von MoneyController am 29.01.2021

Die Pandemiekrise hat in Deutschland einen eher unerwarteten Effekt gehabt: Sie hat die Deutschen mit der Welt des Sparens und der Finanzen vertrauter geworden. Das heißt aber nicht, dass die Deutschen plötzlich ein Volk von Investoren geworden wären, besonders wenn es um den Aktienmarkt geht. Dieser Punkt wurde in einem kürzlich erschienenen Artikel in der Süddeutschen Zeitung sehr deutlich gemacht.

Die erste überraschende Tatsache ist die Art und Weise, wie die Deutschen auf das Börsendesaster im März reagiert haben. Trotz der Tatsache, dass die Aktienmärkte fast 40 % ihres Wertes verloren, gerieten die Deutschen nicht in Panik. Im Gegenteil, sie begannen so viel zu investieren wie nie zuvor: In den ersten drei Quartalen in 2020 kauften die Deutschen Aktien für insgesamt 34 Milliarden Euro, dreimal so viel wie im Vorjahr.

In den Monaten März und April wurden Broker und Direktbanken mit Anfragen regelrecht überschwemmt. Die Zahlen der Comdirect, der Direktbank der Commerzbank, über die die Süddeutsche Zeitung berichtet, sind beeindruckend: 50.000 neue Depoteröffnungen in nur zwei Monaten (zehnmal mehr als in 2019) und 230.000 im Laufe von neun Monaten. Diese Zahlen waren seit 20 Jahren nicht mehr so hoch. Ähnliche Zahlen lieferte auch die Direktbank Consors (aus der BNP Paribas-Gruppe): Die Depots stiegen im vergangenen Jahr um 106.000 Stück. Der bemerkenswerteste Anstieg wurde in der Altersgruppe zwischen 18 und 25 Jahren verzeichnet: + 160% im Jahr 2020.

Eine wachsende Rolle spielten auch die neuen Fintech-Investmentplattformen. Am besten schnitt das Berliner Unternehmen Trade Republic ab, das seinen Kundenstamm auf 600.000 vervierfachte. 

Der Anstieg der Investitionen wurde zweifellos durch den allgemeinen Anstieg der Ersparnisse begünstigt. Die Deutschen sparten 16% statt 11% ihres Einkommens. Nach Berechnungen der DZ Bank beträgt das Sparvolumen, das die Deutschen in Aktien und Investmentfonds angelegt haben, 528 bzw. 823 Milliarden. Das sind beachtliche Zahlen, aber prozentual gesehen sind es 7 % und 12 % des Gesamtvolumens. Das Gesamtvermögen der Deutschen beläuft sich nämlich auf nicht weniger als 7.100 Milliarden Euro. Damit liegen die Deutschen prozentual gesehen hinter anderen Ländern wie Großbritannien oder den Vereinigten Staaten.

Insgesamt lassen die Deutschen ihr Geld lieber auf dem Bankkonto liegen, als in den Aktienmarkt zu investieren. Der Prozentsatz des auf der Bank „geparkten“ Vermögens beträgt etwa 30 %. Das entspricht etwa 2.000 Milliarden Euro.

MEISTGELESENE ARTIKEL VON HEUTE

MEISTGELESENE ARTIKEL DER WOCHE

MEISTGELESENE ARTIKEL DES MONATS

MEISTGELESENE ARTIKEL DES FINANZFORUMS

Klassifikation anschauen