Finanzmärkte / Wirtschaft

Deutsche Aktien unter Druck

Verfasst von MoneyController am 25.03.2021

Wie kommt es, dass Deutschland nicht richtig an der Börse durchstarten kann? Warum beschränkt diese sich in den letzten Wochen darauf, den amerikanischen oder asiatischen Indizes zu folgen? Eine mögliche Antwort kommt von Robert Halver, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank, der auch als Finanzkommentator tätig ist. In seinem Artikel in "Das Investment" stellt sich Halver Deutschland als Aktiengesellschaft vor und listet die kritischen Punkte auf, die Investoren im Moment skeptisch machen. Daneben nennt er aber auch eine Reihe von möglichen Wegen zur Abhilfe.

Das Management der Pandemie

Der erste Impfstoff gegen Covid-19 wurde von den deutsch-amerikanischen Partnern Biontech-Pfizer hergestellt, auch dank der großzügigen Hilfe der deutschen Steuerzahler. Die Verteilung der Impfstoffe honorierte aber weder Deutschland noch Europa, sondern erfolgte ohne jede genaue Logik. Darüber hinaus kämpft die Regierung ein Jahr nach der Ausbreitung des Virus immer noch deutlich mit den Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Lockdowns finden eher planlos statt, es herrscht Verwirrung über die Zukunft derjenigen, die gezwungen waren, ihre Unternehmen zuschließen, und es gibt Sektoren, wie z. B. das Transportwesen, in denen die Maßnahmen zur sozialen Distanzierung nicht eingehalten werden. 

Infrastruktur und Auslandsinvestitionen

Schon vor der Pandemie litt Deutschland unter Defiziten bei der Infrastruktur. Dabei geht es nicht einfach um Straßen, sondern um strategische Bereiche wie Digitalisierungsprojekte, die in der Umsetzung eher rückständig sind. Zu diesen Unzulänglichkeiten kommen hohe Energiekosten und ein Arbeitsmarkt, dessen Preise zu den höchsten der Welt zählen. Diese Elemente machen Deutschland besonders unattraktiv für ausländische Unternehmen und verringern die Aussichten auf ausländische Kapitalzuflüsse.

Die soziale Marktwirtschaft und Effizienz

Für Halver ist jedes nostalgische Gerede über staatliche Interventionen fehl am Platz. Dass staatliche Planwirtschaft zu Ineffizienz führt, hat ein Beispiel aus der jüngeren Geschichte, die DDR, gezeigt. Der Staat muss Hindernisse beseitigen, damit sich produktive und arbeitsplatzschaffende Tätigkeiten entwickeln können, und nicht die Gruppierungen besteuern, die den größten Wohlstand produzieren. Der Spielraum für staatliche Eingriffe bleibt also bestehen, auch aus sozialer Sicht, aber er muss mit Kriterien der Produktivität und Effizienz kombiniert werden. Zu glauben, dass die Krise einfach durch die Schaffung von Schulden (möglicherweise mithilfe des externen Werkzeugs EZB) überwunden werden kann, ist für Halver eine ziemlich gefährliche Idee. Das einzig wirklich tragfähige Modell bleibt die soziale Marktwirtschaft.

Der ökologische Übergang

Die deutsche Energiewende darf für Halver weder in "Öko-Stalinismus" noch in De-Industrialisierung ausarten, sondern muss ein positiver Kreislauf sein, eine große Chance, die es zu nutzen gilt. Das bedeutet, dass der Staat durchaus seinen Teil zur Steuerung des Wandels beitragen muss. Dabei muss aber immer bedacht werden, dass diese Veränderung dazu dient, die Produktivität und Effizienz zu steigern, sicherlich nicht sie zu verringern.

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