ESG - Nachhaltigkeit

Der Vorschlag des BVI für mehr Klarheit bei europäischen Nachhaltigkeitsfonds

Verfasst von MoneyController am 27.01.2021

Allein in Deutschland hat die Branche für nachhaltige Produkte einen Wert von100 Milliarden Euro und sie wächst stetig. Dies scheint keine Modeerscheinung zu sein. Einerseits gibt es ein neues öffentliches Bewusstsein für ökologische und soziale Fragen. Auf der anderen Seite gibt es konkrete Unterstützung von nationalen und EU-Institutionen. Damit jedoch eine nachhaltige Finanzwirtschaft entwickelt werden kann, die wirklich dazu beitragen kann, das ökologische und soziale Schicksal des Planeten zu verändern - was neben der Rendite das Hauptziel derer ist, die nachhaltig investieren -, sind klare Regeln erforderlich.

Die EU fördert seit einiger Zeit ein sogenanntes „Taxonomie“-Projekt, d.h. einen regulatorischen Rahmen, der eindeutig festlegt, wer Teil des Sektors der nachhaltigen Wirtschaft werden kann und wer nicht. Nach Ansicht des Deutschen Fondsverbandes (BVI) drohen die von der EU vorgesehenen Kriterien jedoch zu starr zu werden. Dies würde den Eintritt neuer Unternehmen verlangsamen und einen Sektor ausbremsen, der sich als sehr dynamisch erweist.

Der BVI hat deshalb ein Musterfinanzprodukt vorgeschlagen, den „European Impact Fund“ (EIF). Es handelt sich um einen gemischten, ausgewogenen Fonds, der in erster Linie der europäischen Verordnung über OGAW (Ucitis) entspricht. Die Idee des BVI ist, dass die Hälfte eines solchen Fonds aus Impact Bonds bestehen soll, also aus europäischen Anleihen, die einzelne Umwelt- oder Sozialprojekte finanzieren. Der verbleibende Teil sollte sich jedoch folgendermaßen zusammensetzen: 40 % der Mittel sollten in Anleihen kleiner und mittlerer Unternehmen unter Ausschluss großer Finanzunternehmen fließen; 10 % sollten dagegen in geschlossene Fonds, wie z.B. Private Equity, investiert werden.

Ziel des Vorschlags ist es, privates Geld in von der EU geförderte grüne Projekte zu leiten, gleichzeitig aber auch den Mittelstand entscheidend zu finanzieren. Damit würde zum einen eine übermäßige Kreditaufnahme vermieden und zum anderen die Notwendigkeit, kostspielige Konjunkturprogramme aufzulegen, die - wie in einer Krisenzeit wie dieser - das Volumen der Staatsverschuldung dramatisch erhöhen. Außerdem würde die gemischte Struktur es ermöglichen, auf interessante Weise auch auf die Rendite und nicht nur die nachhaltigen Auswirkungen zu achten.

Aber warum sollte man Impact Bonds als Instrument wählen? Die Antwort gab Markus Michel, Statistiker beim BVI, in der Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ): „Impact Bonds haben den Vorteil, dass Anleger sehen, in welche konkreten nachhaltigen Projekte ihr Geld fließt. Das wird entscheidend für den Vermarktungserfolg sein“. Für den BVI würde dies die für Finanzprodukte erforderliche Transparenz schaffen – man bedenke, dass die Investition in spezifische und konkrete Projekte oder in kleine und mittlere Unternehmen erfolgt – sodass der Investmentfonds einer Reihe von Mikrofinanzprojekten ähnelt.

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