Finanzprodukte

Der deutsche Schuldscheinmarkt wächst seit fünf Jahren

Verfasst von MoneyController am 28.01.2020

Der deutsche Schuldscheinmarkt wuchs 2019 zum vierten Mal in Folge (+ 16%), erreichte einen Rekordumsatz von 29 Milliarden und verdoppelte sein Volumen in den letzten fünf Jahren. Der Markt wurde von der Automobilbranche mit einer Rekord-Unterzeichnung des Autozulieferers ZF Friedrichshafen angetrieben, dem es gelungen ist, Schuldscheine in Höhe von 2,1 Milliarden Euro auf den Markt zu bringen. Auf den Deal von ZF Friedrichshafen folgt das Ergebnis von Porsche, dem es gelungen ist, Schulscheine für insgesamt 1 Milliarde Euro zu unterzeichnen. Außerdem war Porsches Deal völlig umweltfreundlich, da das Abonnement die Finanzierung des „Taycan“ Elektromodells betraf. Es folgten die Deutsche Lufthansa (800 Millionen), das Immobilienunternehmen Gewobag und das Gesundheitsunternehmen Frenesius (jeweils rund 700 Millionen), aber auch Barry Callebaut, Peugeot, Valeo und Continental.


Die Schuldscheine, ein typisches Produkt des deutschen Marktes, das sich auch in der Schweiz und in Österreich ausbreitete, ist im Ausland als eine Art „Private Placement“ oder – noch besser – als ein Hybridprodukt zwischen einer Unternehmensanleihe und einem Konsortialkredit bekannt. Wie die Daten der Platzierungen zeigen, ist der Schuldschein seit einiger Zeit nicht mehr das Finanzierungsinstrument für kleine und mittlere Unternehmen, sondern ein Finanzierungsinstrument für echte Marktriesen.


Das ähnlichste Produkt ist natürlich die Unternehmensanleihe, mit dem wesentlichen Unterschied, dass die Schuldscheine, obwohl sie die Struktur eines Wertpapiers haben, weder nach deutschem noch nach europäischem Recht als solche angesehen werden. Sie werden daher nicht am Börsenmarkt gehandelt und unterliegen nicht der Regel, dass der Emittent das Wertpapier mit einem Prospekt versehen muss. Die wenigen Seiten eines Schuldscheins entsprechen den Hunderten von Seiten des Wertpapierprospekts und die niedrigeren Kosten der Schuldscheine ergeben sich teilweise aus dieser Tatsache. Darüber hinaus sind sie flexiblere Produkte, da sie maßgeschneidert sein können und die Höhe, die Fristen, die Währung und die strukturellen Zinsen variieren. Obwohl sie den Ausstieg vor Fälligkeit der Frist zulassen, sind die Renditen der Schuldscheine im Allgemeinen aufgrund der geringen Liquidität höher. Dies macht sie einerseits zu einem Finanzierungsinstrument- in bestimmten Fällen -  für Unternehmen vorteilhafter als eine Hypothek; auf der anderen Seite ist es für Unterzeichner eine rentablere Investition und eine Quelle der Diversifikation.


Mit der LBBW an der Spitze, betrifft der Handel von Schuldscheinen vor allem die Banken und Sparkassen, (laut HSBC insgesamt 55%). Schuldschein-Unterzeichner sind in erster Linie Bankinstitute, da die Banken sie am besten in Tranchen an andere Banken oder institutionelle Anleger weiterverkaufen können. Im Gegensatz zu einer Hypothek, die weniger flexibel ist, kann die Bank Produkte mit unterschiedlichen Laufzeiten, Größen und Erträgen verkaufen. Der Trend, der sich bestätigen wird, betrifft die vollständige Digitalisierung des Marktes und Produkten im Bereich der ESG und der Nachhaltigkeit. Faber-Castell und Verbundnetz Gas (VNG AG) haben bereits angekündigt, einen vollständig umweltfreundlichen Schuldschein einzuführen. In der Zwischenzeit nimmt die Präsenz von Schuldscheinen auch im Ausland zu; Bis zu 44% der Unterzeichnungen kamen aus dem Ausland, wobei Frankreich und die skandinavischen Länder an der Spitze standen, gefolgt von England. Die angelsächsische Welt im Allgemeinen zeigt Interesse und widmet den Unterzeichnungsregeln in Deutschland viele Informationsbereiche im Netz.
An dieser Stelle ist nur eine letzte negative Anmerkung zu erwähnen, die die Marktentwicklung für das nächste Jahr betrifft. Experten gehen davon aus, dass der Markt schrumpfen und zu einem Geschäftsvolumen zwischen 20 und 25 Milliarden zurückkehren wird. Dies sind Berechnungen, die auf der Grundlage einer angekündigten Unternehmensumstrukturierung (dem Autolieferanten Leoni oder dem gescheiterten Gerry Weber) vorgenommen wurden, aber es gibt nicht zu viel zu befürchten. Wie viele Kommentatoren bereits geschrieben haben, ist es sicherlich nicht der Anfang vom Ende, sondern - wahrscheinlicher - nur das Ende eines Booms.

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