Finanzmärkte / Wirtschaft

DAX auf Rekordniveau, aber ein Strukturwandel ist erforderlich

Verfasst von MoneyController am 27.01.2020

Der DAX30  (Deutscher Aktienindex der 30 wichtigsten Firmen) hat am Mittwoch, den 22. Januar, mit 13.640 Punkten einen neuen Rekord aufgestellt. Der Erfolg hielt nicht lange an. Am Donnerstag hatte sich die Stimmung bereits entspannt und am Ende des Tages fiel der Index auf 13.338 Punkte. An diesem Montagmorgen eröffnete der DAX mit einem Wert von ... Viele jubelten diesen hervorragenden Ergebnissen zu, insbesondere angesichts der zahlreichen schlechten Nachrichten, vom Virus in China bis zum Handelskrieg und den Daten zur deutschen Wirtschaft im Jahr 2019, die die Rezession nur knapp berührte. Anleger blicken offensichtlich nach vorn, sie sehen den Gesundheitsnotstand als vorübergehend an und sie sehen aber auch die Möglichkeit eines für beide Seiten vorteilhaften Handelsabkommens zwischen China und den USA und dazu kommt noch ihr Vertrauen zu den Schätzungen der Bundesregierung, die für 2020 ein Wachstum der deutschen Wirtschaft von 1% voraussehen. All dies ist möglich, aber die interessante Diskussion, die sich entwickelt hat, betrifft die Natur des deutschen DAX-Index.


Der DAX gilt zwar nicht als einziger, aber als der einzig wirklich wichtige Referenzaktienindex in Deutschland, auch weil er rund 80% der Marktkapitalisierung aller börsennotierten deutschen Unternehmen ausmacht. Es enthält die Top-30 der deutschen Unternehmen und gilt als verlässlicher Maßstab für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Der Index zählt nämlich nicht nur die Kurssteigerungen der Aktien, sondern auch ihre Dividenden. Aber 30 Unternehmen scheinen zu wenig und nicht genug repräsentativ zu sein. Vielleicht ist es Zeit für einen Strukturwandel, wie kompliziert er auch sein mag.


Um zu verstehen, wie klein die Anzahl der Unternehmen im Vergleich zu anderen Indizes ist, braucht man nur einen einzigen Vergleich anzustellen – und zwar mit dem S&P 500, der genau den Top-500-Aktien mit US-Marktkapitalisierung folgt. Eine Anzahl, die so klein ist wie die des deutschen Index, ist an sich schon ein Risikofaktor, da nur eines dieser dreißig Unternehmen den gesamten Index in Schwierigkeiten bringen kann (wie es bei der Deutsche Bank oder bei Volkswagen der Fall war). Man sollte jedoch nicht ins Ausland gehen, um Inspirationsmodelle zu finden. Man kann an den M-Dax denken, der die 60 größten Aktienunternehmen zusammenbringt, die denen des DAX folgen und dessen Rekorde bereits mehrmals übertroffen wurden. Ähnliches gilt aber auch für den nächsten Index, den SDAX (da sind 70 Unternehmen vertreten) sowie den „deutschen NASDAQ“ d.h. den TecDAX. So ist der M-Dax z. B. in den letzten 10 Jahren um 277% gewachsen, mit einer durchschnittlichen Jahresrendite von 14%, während das DAX-Gesamtwachstum in den letzten 10 Jahren 122% betrug, mit einer durchschnittlichen Jahresrendite von 8,3% .


Bei der sicherlich in den nächsten Tagen stattfindenden Debatte sollten die strukturellen Probleme des DAX-Index nicht mit den Kontingenten verwechselt werden. Es gibt diejenigen, die mehr als alles andere befürchten, dass es einen starken Ansturm auf den Kauf und beim ersten Anzeichen eines Preisverfalls einen Massenverkauf geben wird. Diese Bedenken sind jedoch typisch für eine ähnliche Marktdynamik. Das eigentliche Problem für viele Analysten ist jedoch, dass der DAX-30 eine Änderung der Mentalität und sogar der Struktur erfordern würde. Beispielsweise könnte der DAX mit einer größeren Anzahl von berücksichtigten Firmen endlich zu einem hervorragenden Instrument für das deutsche Anlegerportfolio - insbesondere durch ETFs - und nicht nur zum Wirtschaftbarometer werden.

 

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