Anlagen

Die vorübergehende Krise des Crowdinvesting

Verfasst von MoneyController am 23.04.2021

Infolge der Pandemiekrise ist das Crowdinvesting in Deutschland in die Krise geraten. Handelt es sich um eine strukturelle Krise oder nur um einen vorübergehenden Rückschlag? Die Daten sprechen für eine vorübergehende Krise.

Die Zahlen, die das Portal crowdinvest.de präsentiert, sprechen für sich: Im vergangenen Jahr ist das Investitionsvolumen beim Crowdinvesting in Deutschland von 418 Millionen Euro auf 328 Millionen Euro stark gesunken. Die härteste Krise war im zweiten Quartal zu verzeichnen, als die Märkte weltweit einbrachen. Es gibt jedoch eine Tatsache, die darauf hindeutet, dass das Interesse an Crowdinvesting lediglich eine vorübergehende Krise durchläuft: Die Zahlen für das erste Quartal dieses Jahres haben sich wieder an die Zahlen für das erste Quartal 2019 angeglichen.

Wie auch Martin Hock in einem Artikel in der Frankfurter Allgemeine Zeitung feststellt, war es der Bereich der Immobiliendarlehen, der den größten Rückgang erlitt. Dies ist nicht verwunderlich: 2019 machte der Immobiliensektor drei Viertel des deutschen Crowdinvesting-Marktes aus. Der überraschendste Rückgang, wie Hock betont, betraf jedoch die Unternehmenskredite. Die Investitionsprojekte in diesem Bereich gingen von 400 auf 14zurück, mit einem negativen Rekord von 3,6 Millionen. Bei Eigenkapital- und Mezzanine-Investments fiel der Rückgang dagegen verhältnismäßig geringer aus.

Crowdinvesting ist nichts anderes als eine Form des Crowdfundings, d.h. eine Ansammlung von Kapital, das von Investoren eingezahlt wird und dann in ein Projekt reinvestiert wird. Das Ganze hat einen doppelten Zweck. Zum einen, einem Projekt oder einem Unternehmen weiteres Wachstum zu ermöglichen; zum anderen, den Anlegern interessante, an den Erfolg der Investition gekoppelte Renditen oder Beteiligungsanteile an dem finanzierten Unternehmen zu bieten. Die Kategorie, zu der Crowdfunding gehört, ist die der alternativen Finanzierung, die sich außerhalb der traditionelleren Märkte, wie dem Kapitalmarkt oder dem Bankwesen entwickelt hat.

Zurück zu den deutschen Crowdinvesting-Daten: Den größten Rückgang verzeichnete Exporo, das aber mit 62 % immer noch den größten Marktanteil hält. Bergfürst hingegen ist auf den dritten Platz abgerutscht, hinter Engel & Völkers, die ihr investiertes Kapital mehr als verdoppelt haben. Wie Bergfürst anmerkt, spielte auch die BaFin eine gewisse Rolle, indem sie die Eigenkapitalanforderungen für Kredite erhöhte und damit das Engagement der Banken verringerte. Der Fokus verlagerte sich daher auf Projekte mit größeren Gesamtvolumen.

Um das Bild zu vervollständigen, gibt es noch eine weitere Tatsache. Das Interesse der Kleinanleger scheint nicht nachgelassen zu haben. Exporo stellt allerdings einen Rückgang der Marketingaktivitäten fest, da man die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie zunächst einmal beobachtet habe. Und schließlich nimmt das Crowdinvesting im Energiesektor erheblich zu - wobei man hinzufügen muss, dass es sich derzeit hier bei im Vergleich zur Gesamtsumme um einen eher kleinen Bereich handelt, der sich auf etwa 13,4 Millionen Euro beläuft.

MEISTGELESENE ARTIKEL VON HEUTE

18.11.2019 verfasst von Citywire

Studie: Vier von fünf Investoren wollen China-Allokation trotz Handelskrieg erhöhen

Weiterlesen

MEISTGELESENE ARTIKEL DER WOCHE

27.07.2021 verfasst von MoneyController

Honorar oder Provision – was ist das günstigere Gebührenmodell bei Finanzberatung?

Weiterlesen

MEISTGELESENE ARTIKEL DES MONATS

08.07.2021 verfasst von MoneyController

Signalisieren die Renditen von Staatsanleihen das Ende der Erholung oder werden sie wieder steigen?

Weiterlesen

MEISTGELESENE ARTIKEL DES FINANZFORUMS

Klassifikation anschauen