Finanzmärkte / Wirtschaft

China will keinen Bullenmarkt

Verfasst von MoneyController am 10.03.2021

Wenn China wirklich auf dem Weg ist, die erste und unangefochtene Wirtschaftsmacht der Welt zu werden, warum wächst der chinesische Finanzmarkt dann nicht viel schneller als die westlichen Märkte? Letztere haben trotz schlechter wirtschaftlicher Ergebnisse neue Rekorde sowohl in Europa als auch in den USA aufgestellt, wo das Virus mit weitaus größerer Wucht zugeschlagen hat als in China. Der Grund dafür ist, wie Christina Bastin (China- und Asienexpertin bei Muzinich & Co.) in „Das Investment“ erklärt, dass China eine andere Tiermetapher verwendet, um sein Modell der Wirtschaftsentwicklung zu erklären: den Ochsen und nicht den Bullen. Das bedeutet, dass Peking statt eines starken Wachstums der Märkte eine Strategie der Stabilisierung verfolgt. Schauen wir uns einmal genauer an, wie.

Geldpolitik

Auch China hat in den schwierigsten Monaten der Krise eine expansive Geldpolitik betrieben. Anders als in weiten Teilen der Welt straffte man dann aber den Kreditmarkt und bremste damit eine mögliche noch extremere Aktienmarktrallye. Dieser Schritt führte auch zur Insolvenz einiger chinesischer Unternehmen. Für Bastin war dies aber nicht nur keine Gefahr für das Gesamtsystem, sondern im Gegenteil notwendig, um mehr Stabilität zu schaffen und Kreditsanierungen zuzulassen. 

Währungspolitik

Dank seiner soliden Erholung hat der Yuan gegenüber dem Dollar um 7% zugelegt. Aber das ist nicht die einzige Änderung: China hat beschlossen, seinen Währungskorb neu zu justieren. Generell wurde das Engagement in Fremdwährungen, insbesondere im Dollar, reduziert, während der Anteil des Euro leicht erhöht wurde. Darin spiegelt sich die neue Ausrichtung der chinesischen Handelspolitik wider: mehr Abschottung gegenüber den USA, größere Offenheit gegenüber Europa, aber vor allem eine entschiedene Konzentration auf den heimischen Markt.

Handelspolitik

Wie im Dezember auf der Wirtschaftsarbeitskonferenz angekündigt, will China seinen Binnenmarkt entscheidend stärken, der zum zentralen Motor seiner Entwicklung werden soll. Das bedeutet den Aufbau einer industriellen Zulieferkette und einer eigenständigen Technologieindustrie, vor allem aber die Binnennachfrage entscheidend zu verstärken. Daher die Politik der geldpolitischen Stärkung und das geringere Interesse an Außenhandelsabkommen.

Klimapolitik

China ist einer der größten Verursacher von Schadstoffen in der Welt. Aus diesem Grund hat sich die Regierung zu einer Politik der Reduzierung von Kohlenstoffemissionen verpflichtet und sich ein sehr ehrgeiziges Ziel gesetzt: die Reduzierung der Emissionen um 85% bis 2060. Unter diesem Gesichtspunkt scheint der Markt einen entscheidenden Beitrag leisten zu können: Bisher wurden „grüne“ Anleihen im Gesamtwert von 165 Milliarden Dollar ausgegeben, aber das Ziel ist es, 4 Billionen RMB bzw. 577 Milliarden Dollar zu erreichen.

MEISTGELESENE ARTIKEL VON HEUTE

24.10.2019 verfasst von Citywire

Deutscher Staatsfonds wird in private Märkte investieren

Weiterlesen
11.02.2020 verfasst von Citywire

AllianzGI verschmilzt Fonds des CIO für europäische Aktien

Weiterlesen

MEISTGELESENE ARTIKEL DER WOCHE

MEISTGELESENE ARTIKEL DES MONATS

08.07.2021 verfasst von MoneyController

Signalisieren die Renditen von Staatsanleihen das Ende der Erholung oder werden sie wieder steigen?

Weiterlesen

MEISTGELESENE ARTIKEL DES FINANZFORUMS

Klassifikation anschauen